Die Eiszeit oder das Diluvium. 39
ist ii —12 m breit und gegenwärtig 3,5 m hoch. Der andere Ein-gang befindet sich auf der Südseite und liegt einige Meter überder Thalsohle. Das Kesslerloch steigt im Innern an und seineca. 190 m 2 grosse Bodenfläche wird durch eine Art Kulisse inzwei Abteilungen geteilt. Von dem etwa 15 m vom Osteingangeabstehenden Höhlen-Hintergrunde schiebt sich nämlich eine Felswandvor, und vor derselben steht noch ein mächtiger Felspfeiler. Da-durch wird der südliche, höher gelegene Teil der Höhle vomgrösseren, niedriger gelegenen und nach Osten offenen Raume ab-getrennt. Die Lage war für den Rentierjäger eine ganz vorzüg-liche, denn während der Haupteingang gegen das Wiesenthälchenschaut, beherrscht der Südeingang das nordöstliche Ende desFulachthales.
Im Sommer 1873 kam Reallehrer Merk in Thaingen anlässlicheiner botanischen Exkursion zum Kesslerloch und da stieg in ihm,wie er erzählt, der Gedanke auf, es könnten in dieser Höhle, wiein ähnlichen Bildungen Frankreichs , uralte Menschenspuren zu findensein. Eine Versuchsgrabung, die er mit Hilfe seines Kollegen Wepfund zweier Schüler im Dezember des genannten Jahres vornahm,erwies die Richtigkeit seiner Vermutung. Am 19* Februar 1874wurde die systematische Ausbeutung an Hand genommen; sieendete am 11. April, dauerte also sieben Wochen. Aber auchnach Beendigung der Ausgrabung wurden im Schutte zahlreicheB euersteingeräte und Knochenobjekte gefunden; es soll sogar eineTierzeichnung, die gegenwärtig in der polytechnischen Sammlungin Zürich liegt, auf diese Weise entdeckt worden sein. Die Höhleist bis auf einen kleinen Rest ausgeräumt worden; indessen könnteam Osteingange in der Tiefe, wohin man wegen des Grundwassersnicht dringen mochte, noch manch wertvolles Fundstück ver-borgen liegen.
Kleinere Ausgrabungen wurden 1893 und 1899 von Dr. Nüeschvorgenommen. Sie waren recht ergiebig und bewiesen, dass dasKesslerloch der reichste bis jetzt bekannte Höhlenfundort der Schweiz ist. Hoffentlich wird schliesslich noch der an den Osteinganganschliessende Teil des Wiesenthälchens trotz des andringendenWassers untersucht und dadurch ein Gesamtbild der Funde er-möglicht.
Merk fasste die Resultate seiner Ausgrabung zusammen inder Monographie: „Der Höhlenfund im Kesslerloch bei 1 hayngen,Kt. Schaffhausen “, die 1875 in den Mitteilungen der Antiquar. Ge-sellschaft Zürich (Bd. XIX, 1) erschien. In dieser Publikation be-