Die Eiszeit oder das Diluvium
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bewohnern die Zeichnungen ausgefiihrt, von denen wir zu sprechenhaben werden.
b) Gegenstände aus Knochen und Horn. Im Höhlen-grunde findet der Ausgrabende oftmals Erde mit Feuersteinen,Knochen und Hornstücken fest zu einer Art Breccie zusammen-gekittet. Löst man dieselbe voneinander, so erkennt man aufden Knochen eine Art Kerben, die aber nicht künstlich sind,sondern von Insekten und Larven herrühren. Das geübte Augeunterscheidet sie leicht von den Schnitten, die mit Feuerstein ge-macht wurden und auch von den Kerben, die der Rentierjäger in seinEigentum als Erkennungszeichen oder zur Verzierung eingravierthat. Häufig sind Schlagspuren und nicht selten stösst man auf
Fig. ii.
Knochennadelaus Thaingen.Vs nat. Gr.
Fig. 12.
Speerspitze aus Horn vonThaingen.
’/a nat. Gr.
Kig. 13.
Knochen-Speer-spitze mit Kerbenaus Thaingen.
*/2 nat. Gr.
Fig. 14.
Knochen -Speer-spitze mit (Eigen-tums - ?) Markenaus Thaingen.Vs nat. Gr.
Knochenstücke oder Hornstangen, welche eigentliche Rinnen auf-weisen, die mit Feuersteinmessern oder -sagen erzeugt worden sind.
Das Rohmaterial zu den Knochen- und Hornobjekten lieferte be-sonders das Ren. Das Geweih desselben wurde zu allen möglichenGeräten verarbeitet. Sobald ein solches Tier erlegt worden, schlugder Jäger das Gehörn weg, um zur warmen Gehirnsubstanz, einemLeckerbissen, zu gelangen. Die Spitzen des Geweihs wurden nachherentfernt, aus der Stange aber schnitt man sich kleinere Werkzeugeheraus. Die Knochen des Ren sind ebenfalls sehr fest und wurdendeshalb gern benutzt.
Im Kesslerloch bei Thaingen waren abgeschlagene Geweih-stücke nicht selten. Manche Geweihstangen sind unten schaufel-ar tig zugehauen und mögen zum Ausgraben von Wurzeln be-nutzt worden sein; andere weisen Rinnen auf, die mit Feuerstein erzeugt wurden. Bei einigen Stücken kann man [deutlich sehen,dass Werkzeuge aus den Stangen herausgeschnitten worden sind.