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Urgeschichte der Schweiz / Jakob Heierli
Entstehung
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107
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Die neolithische oder jüngere Steinzeit. 107

In Ostindien existieren zahlreiche Seedörfer und neben ihnenkommen Baumwohnungen vor, die vielleicht als Prototypen dereigentlichen Pfahlbauten aufgefasst werden müssen. In der Land-schaft Sikkim in Vorderindien sind die letztem allgemein in Ge-brauch wegen der grossen Regenmengen, die Überschwemmungenzur P'olge haben. Weiter östlich, in Bhutan und bei den Kasias undNagas, fehlen Pfahlbauten auch nicht, wohl aber im östlichen Asam, amlinken Ufer des Bramaputra. In Hinterindien werden sie sehr zahl-reich. Im Delta des Irawaddi und an diesem Flusse hinauf bis überAwa und Amarpura sind selbst Tempel und Klöster über Pfählenerbaut, in Burma kommen solche Bauten sogar auf trockenemLande, ja auf Höhen, vor. Das lässt sich nur erklären, wenn manbedenkt, welch grosse Macht die Gewohnheit ist und wie schwerder Mensch von den Sitten der Väter lässt.

Die Hauptstadt Siams, Bangkok , ist zum Teil eine schwimmendeStadt, d. h. viele Häuser sind auf Flösse gebaut. Das östlich da-von gelegene Bathambong dagegen ruht auf Pfählen. Längs desMenäm und am Mekhong erstrecken sich weitgedehnte Reisfelder.Ler Bebauer derselben aber hat zum Schutz gegen Feuchtigkeitund Überschwemmung, sowie gegen Schlangen, Ratten, Skor-pione u. s. w. sein Häuschen auf Pfähle gestellt. Dieses Hüttchenist fast ganz aus Bambus gebaut und wird von Kokospalmen be-schattet.

Im östlichen Teil des Meerbusens von Bengalen liegt die Insel-gruppe der Nicobaren. Die Bewohner derselben sind Pfahlbauerund die auf den Nicobaren lebenden Europäer haben dieses Bau-system adoptiert. Man rammt Pfeiler in die Erde und bringt 10 bis12 Fuss .'34 m) hoch oben durch Binden eine Balkenlage an. Die^ an de bestehen aus Bast; das Dach wird aus Palmblättern gebildet.Ler Zugang erfolgt durch eine Leiter. Dem Eingang gegenüberbefindet sich die Feuerung. Oberhalb des Peuerplatzes sind diePandanusbrote und die Wassergefässe aus Kokosnuss aufgestellt,^ur Linken steht ein Götterbild; zur Rechten befinden sich Holz-bildsäulen. In der Nähe der Thüre hängen Speere, Messer, Haus-geräte. Die Kuppel des Hauses enthält meist noch einen Verschlagfür Vorräte. Der Raum unter der Hütte dient als Schattenplatzbeim Arbeiten. Auch sind daselbst Verschlüge für Hühner, Vorräteunverarbeiteter Früchte und grosses Gerät zu finden.

Es können nach dem gegenwärtigen Stand unseres Wissensa uch in Asien zwei Zonen unterschieden werden, in welchen Pfahl-bau- Konstruktionen Vorkommen. Die eine zieht sich, wie wirgesehen haben, von Kleinasien , Armenien und Syrien über Meso-