Zweites Kapitel.
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nicht. Im Frühling spriesst neues Leben; wieder beginnt das Blühenund tönt der Vogelsang. Ist’s wohl beim Menschen auch so, wie inder Natur? Im menschlichen Leben folgt auf den Jugendfrühling derSommer mit seinen Gewittern; nachher kommt der Herbst, früchte-beladen, und endlich streut der Winter aufs Haupt des Alten Schnee.Wenn dann der Mensch stirbt, ist er wirklich tot oder giebt es fürihn, wie für die Blume des Feldes, ein Auferstehn? So fragt nichtbloss der Wilde, der Barbar, so fragt auch der Kulturmensch.
Als ein Forschungsreisender auf Neu-Guinea eine Mutter, dieauf dem Grabe ihres Erstgebornen klagte und weinte, fragte, obder Knabe tot sei und nicht wieder komme, erhielt er zur Antwort:Er ist nicht tot, er schläft nur! Und wie beim Naturvolk dieserGlaube vorkommt, so trösten auch die höchst entwickelten Religionenihre Anhänger mit dem Glauben an die Auferstehung.
Wenn der Mench nach seinem Tode erwachen soll zu neuemLeben, so muss er während seines Schlafes wohl behütet werden.Damit er aber im Schlafe Ruhe habe, bettet man den Toten in denkühlen Schoss der Erde. Das Grab ist die Wohnung des Totenund darum gleicht es mancherorts auch äusserlich der Behausungdes Lebendigen oder dieser überlässt dem Verstorbenen sogar seineeigene Wohnung als Ruheplatz.
Die Höhle war der primitive Wohnsitz des Diluvialmenschenund war es öfters auch für den Neolithiker. Was Wunder, dassmanche Steinzeitgräber in natürlichen und künstlichen Höhlen sichfinden? Ist denn das Flachgrab von heute nicht auch eine kleineHöhle, künstlich erstellt in der Erde?
Die Stelle, wo Tote ruhen, wird von Freund und Feind ge-mieden, denn da halten die Geister der Verstorbenen Zwiesprache;so denkt der Naturmensch. Der Friedhof ist auch für manche derheute Lebenden noch ein Ort, der gemieden, der mit einer ArtGrausen, besonders zu ungewohnter Zeit, betreten wird. Grab-schändung wird schon bei Barbaren als eine Frevelthat betrachtet.
Pietätvoll ist der Verstorbene begraben worden; die Totenge-sänge zu seinen Ehren sind verhallt, die Opfer dargebracht; baldwird auch das Andenken an ihn erloschen sein. Vielleicht ziehtder Stamm weiter und kommt nicht mehr an den Ort zurück.Wenn er aber auch nach Jahr und Tag wiederkehrt, wer will sagen,wo die Väter begraben sind? Wer hat Kunde von der Stätte, woder grosse Häuptling, von dem die Stammessagen melden, seineRuhe gefunden hat? Man musste suchen, durch äusserliche Zeichenden Ort anzugeben, wo die Stammesgenossen gebettet waren, undist schliesslich zu bleibenden Malen gekommen, deren einfachstes