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Urgeschichte der Schweiz / Jakob Heierli
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Drittes Kapitel.

das Sprachvermögen entwickelt, die Ehe und die KindererziehungPlatz gegriffen und bald gab es Bündnisse zwischen Nachbarn. Esentstanden Städte und Burgen, es gab Könige und Gesetze. DerWohlstand mehrte sich, das Gold ward entdeckt und mit ihm wurdender Ehrgeiz und die niederen Leidenschaften entfesselt. In dieseZeit versetzt er auch die Entstehung von Religion und Wissenschaft.Erst später wurden Erz und Eisen benutzt.

Aber des Erzes Gebrauch ward früher erkannt, als des Eisens,

Weil es geschmeidiger ist und in grosserer Menge sich vorfand.

Erz umwühlte den Boden der Erd, Erz mischte die Wogen

In der verheerenden Schlacht.

Nach und nach dann brachte man vor die Schwerter von Eisen

Fing mit Eisen nun an zu brechen den Boden der Erde

Auch entschied man mit ihm den Kampf der zweifelnden Feldschlachl.

Wenn auch Dichtung und Wahrheit in dem Gemälde derZeiten, wie es der römische Poet vor uns entrollt, wunderbar ge-mischt sind, so hat er doch die Hauptepochen der Vergangenheitklar erkannt. Zuerst war in der That der Stein das wichtigste Nutz-material, ihm folgte das Erz (die Bronze) und diesem das Eisen.Aber es ist ein grosser Schritt von der dichterischen Ahnung biszur wissenschaftlichen Erkenntnis. Erst die Forschung des XIX. Jahr-hunderts hat den Beweis für die Richtigkeit der Anschauung desLucrez erbracht, wenigstens für Europa und die angrenzendenGebiete.

Alle bewohnten Gegenden der Erde haben eine Steinzeit durch-gemacht. In dem archäologisch am genauesten bekannten Europa ist dieselbe überall nachgewiesen. Tausende und Abertausende vonFunden in unseren Museen illustrieren diese fernabliegende Epoche.

Die älteren Ägyptologen haben zwar geleugnet, dass es im altenKulturlande am Nil einmal eine Zeit gegeben habe, wo die Metalleunbekannt gewesen seien, aber durch die tiefgründigen Forschungender Neuzeit ist der Beweis geleistet worden, dass auch da eine sehrlang dauernde Steinzeit angenommen werden müsse. Zum gleichenResultat gelangte man in Bezug auf das übrige Afrika : Im Norden,Westen, Süden und Osten des Erdteils fand man nicht bloss ver-einzelte Geräte und Waffen primitiver Form, alle aus Stein, sondernauch Feuerstein -Werkstätten, Depotfunde, Ansiedelungsreste u. s. w.Freilich ragt die Steinzeit mancher Gegenden Afrikas noch in unsereZeit hinein. Die Buschmänner lebten bis vor kurzem in der Stein-zeit und selbst heute ist das Metall, das sie besitzen, nicht eigenesFabrikat, sondern von I'remden überkommenes Gut.