Buch 
Urgeschichte der Schweiz / Jakob Heierli
Entstehung
Seite
206
JPEG-Download
 

206

Drittes Kapitel.

Stahlmeissel oder doch eiserne Geräte müsse man gehabt haben,um die Bronze so zu bearbeiten, wie sie z. B. in den reich ornamentierten,nordischen Hängegefässen uns entgegentritt.

Dass in den erbitterten Streit um die Existenz oder Nicht-Exi-stenz einer Bronzeperiode sich aucli die Philologie mischte, kamdaher, dass diese Wissenschaft vor einem halben Jahrhundert dieAltertums-Wissenschaft noch vollständig beherrschte und es begreif-licherweise nicht gern sah, dass ihr Schützling sich so selbständiggebärdete.

Besehen wir uns nun die angeführten Gründe gegen dasnor-dische Einschachtelungssystem! Zunächst kann die Bemerkungzurückgewiesen werden: das Eisen müsse vor der Bronze bekanntgewesen sein, weil es ein einfaches Metall sei, die Bronze aber eineLegierung. Hier entscheiden einfach die Thatsachen, die Funde,nicht aphoristische Meinungen. Auch frägt es sich gar nicht, obEisen oder Kupfer leichter aus den Erzen zu gewinnen sei, sondernes handelt sich um die Frage, ob es in Europa eine Zeit gab, woBronze zu Waffen und Werkzeugen, Geräten und Schmucksachenverarbeitet wurde, während das Eisen nicht oder fast nicht be-kannt war und darüber entscheiden wieder die Funde. Dass manBronze nur mit Eisen bearbeiten könne, war auch eine solche Lehr-meinung: Sie ist durch das Experiment längst als unhaltbar er-klärt worden.

Stärker ins Gewicht fällt der Einwurf, das Eisen habe sich ebennicht erhalten. Dagegen sagt Hoernes in seinerUrgeschichte desMenschen mit Recht, dass wohl die Eisenobjekte an und für sichdurch langes Liegen in der Erde zu Grunde gehen können, aberimmer bleibe eine Rostspur. Übrigens haben die sorgfältigen Aus-grabungen der Neuzeit gezeigt, dass das Eisen nie spurlos ver-schwindet. Was die Eisenstücke betrifft, die in nordischen Hünen-gräbern der sogen. Bronzezeit gefunden wurden, so erklären sie sicheinfach dadurch, dass durch spätere Eingriffe, so z. B. durch Nach-bestattungen, jüngere Objekte in Grabhügel gelangen können. Tiere,wie Füchse, Dachse u. s. w. schleppen auch etwa dergl. Sachen ein.Bei sorgfältiger Untersuchung wird sich aber immer ergeben, dassein solcher Fall als Ausnahme zu betrachten ist und nicht bestimmendwirken kann. Die Eskimos in Grönland zeigten uns einen anderenFall, wie Eisen unter Steinzeitsachen gelangt ist.

Wir sehen also, dass weder geistreiche Hypothesen, noch Aus-sprüche von Technikern, weder philologische noch chemisch-geologischeLehren in der uns vorliegenden Frage ausschlaggebend sind, sondernallein die Funde. Was lehren uns nun diese Funde?