Buch 
Urgeschichte der Schweiz / Jakob Heierli
Entstehung
Seite
257
JPEG-Download
 

Die Bronzeperiode. 257

und in der Bronzeperiode an Zahl alle andern Haustiere tibertraf,so dürfen wir annehmen, in der zuletzt genannten Epoche seienWollkleider häufig gewesen, wenn wir auch in der Schweiz keineentsprechenden Funde nachweisen können, da sich die Wolle imSeeschlamm eben nicht erhalten hat. Dagegen sind in Skandinavien mehrere Grabfunde gemacht worden, in denen ausser Bronze-schmuck und Bronzewaffen auch vollständige Wollkleider erhaltenwaren.

Im Jahr 1861 fand man, wie Montelius erzählt, im sogenanntenTreenhöi, einem Grabhügel bei Havdrup im Amt Ribe in Dänemark einen Sarg, der aus einem gespaltenen und ausgehöhlten Eichen-stamme bestand. In diesem Sarge war ein Krieger in voller Ge-wandung und mit seinen Waffen beigesetzt worden (Fig. 241). DieKleidung ist vollständig erhalten und besteht aus einer hohen, wollenenMütze, einem weiten, rundgeschnittenen Mantel, einer Art Rock, dervon den Hüften hinabhing und ein paar Wollstücken, die wahr-

Fig. 241.

Eichensarg mit Leiche aus dem Treenhöi, Amt Ribe (Dänemark ).

scheinlich die Beine umhüllten. An den Füssen zeigten sich Feder-reste. Der Rock wurde durch einen langen, wollenen Gürtel zu-sammen gehalten. Derselbe war vorn zugeknöpft und endigte inFransen. In dem Grabe lag noch eine zweite Wollmütze und einmit Fransen geschmückter Wollenshawl, dessen eine Hälfte zusammengerollt als Kissen unter dem Kopfe des Toten angetroffen wurde,Eine Ochsenhaut umschloss den ganzen Inhalt des Sarges. ZurLinken der Leiche lag ein Bronzeschwert in seiner mit Fell gefüttertenHolzscheide, zu Füssen des Toten eine Holzschachtel, die eine kleinere,ähnliche enthielt, in welcher die zweite Mütze, ein Hornkamm undein Bronzemesser sich befanden, welch letzteres vermutlich zumRasieren diente.

Zehn Jahre nach dem Funde im Treenhöi kam ein andererzum Vorschein, der eine vollständige weibliche Kleidung ent-hielt. 1871 untersuchte man nämlich einen Grabhügel bei Borum-Eshöi, unfern Aarhus in Jütland . Auch da war die Leichein einem Sarge bestattet worden, der aus einem gespaltenenEichenstamm durch Aushöhlen beider Hälften hergestellt wurde.Eine ungegerbte Rindshaut umschloss den Inhalt des Sarges.

Heicrli, Urgeschichte der Schweiz . 17