Viertes Kapitel.
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abgebaut. Das Eisen findet sich zwar in unserem Lande nicht ingrossen Massen, aber kleinere Erzvorkommnisse sind nicht seltenund an manchen Stellen dürften diese schon vor unserer Zeit-rechnung benutzt worden sein. So will der Bergwerks-InspektorQuiquerez im Berner Jura bei Montfavergier Spuren alter Eisen-gewinnung gefunden haben, bei welcher selbst noch Steingerätezur Verwendung kamen. In Pleigne habe er ausser den Resteneiner primitiven Schmiede eine Axt aus der ersten Eisenzeit entdecktund in Rebevelier seien neben zahlreichen Überbleibseln ehemaligerEisenbearbeitung auch „keltische“ Scherben zum Vorschein ge-kommen.
Die Art und Weise, wie die Eisenzeitleute des Berner Jura dasMetall aus den Eisenerzen gewannen, beschreibt Quiquerez folgender-massen: Am Fusse eines Hügels oder sonstwo formte man zuerstaus plastischem Thon den Boden eines Ofens. Aus demselbenMaterial wurden sodann die Wände erstellt und diese aussen durchSteine gestützt. Über die Steine selbst deckte man einen Erd-mantel. Der Hohlraum in diesem Schmelzofen war weder überallgleich weit, noch stieg er in gerader Richtung empor. Von aussenführte derselbe horizontal bis in die Mitte des Bodens und war mitSteinen ausgelegt. Dann stieg er, mehr oder weniger cylindrischgeformt, schräg in die Höhe. Seine Wände waren 30—45 cm dickund neigten sich in der Richtung der unteren Öffnung, der Thüre.Durch diese Konstruktion sollte verhindert werden, dass beim Ein-schütten der Kohle und der Erze diese sich vor der Thüre anhäufenkonnten. Der Luftzug war ungehindert und sehr lebhaft. DerSchlot, durch den die Flamme loderte, hatte eine Höhe vonca. 2,5 m und war oben mit einem Steinkranz abgeschlossen, derdie Beschädigung der Thonwände beim Füllen des Ofens unmöglichmachte (Fig. 315).
War ein neu errichteter Ofen genügend ausgetrocknet, so be-gann das Füllen, wobei je eine Schicht Kohle und eine SchichtErz hineingebracht wurde. Dann machte man Feuer und regulierteden Zug durch Öffnen und Schliessen der Thür. Bildeten sich amBoden Schlacken, so wurden sie hervörgezogen. Endlich konnteein weissglühender Metallkuchen herausgenommen werden, der danntüchtig geschmiedet werden musste. Ein solcher Kuchen mochte* 5— 2 5 kg Eisen liefern. Man begreift, dass das so gewonneneEisen teuer und seine Verwendung eine recht sparsame war.
Diese Methode der Gewinnung des Eisens erinnert ganz an dieArt, wie die Afrikaner und Indier das Metall erhalten und sie hatwohl bei uns bis in die historische Zeit hinein fortgedauert.