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Urgeschichte der Schweiz / Jakob Heierli
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Viertes Kapitel.

Als primitivste Goldmünzen werden längliche Perlen betrachtet,die in La Tene zum Vorschein kamen. Daneben erscheinen aberauch Viertelstater und Stater, Nachbildungen der Münzen desmakedonischen Königs Philippos. Sie haben auf dem Avers einenlorbeerbekränzten Kopf, auf dem Revers das Zweigespann, dieBiga (Fig. 338 und 339) und etwa eingallisches Symbol, z. B.den. Vogelkopf mit Wickelschwanz. Die Goldmünzen dürften, aus

Fig- 338-

Münzen aus der Station La T£ne,

ihrer Seltenheit zu schliessen, lange im Kurs gewesen sein; ent-scheidend für das Alter von La Tene sind vielmehr die Münzenaus Potin und Bronze oder aus Silber. *

Wie alt ist nun La Tene? Das Alter der La Tene-Zeit imallgemeinen lässt sich genau bestimmen. Ums Jahr 400 v. Chr.

wurde das etruskische Bologna von den Keltenerobert. In der Nekropole der Certosa beiBologna lassen sich die etruskischen Gräberscharf von den keltischen unterscheiden. Diebeiden Gruppen sind auch lokal verschieden;ihr Inhalt, obwohl er viele Übereinstimmungenzeigt, weist doch ganz bestimmte Verschieden-heiten auf. Nehmen wir ein Objekt, das derwechselnden Mode unterworfen war, wie z. B.die Fibula, so finden wir in den jüngstenetruskischen Gräbern die sogen. Certosa-Fibel(Fig. 340). Sie besteht aus einem einfachenBügel, an den sich auf der einen Seitedie Spirale mit der Nadel, auf der anderenSeite der Fuss mit dem Nadelhalter anschliesst.Die Spirale ist aber nur auf einer Seitedes Bügels gerollt (nicht wie bei der Früh-La Tene-Fibel auf beidenSeiten derselben) und der Fuss ist aufgerichtet (nicht gegen denBügel zurückgelegt) und endigt in einen flachem Knopf. DieseCertosa-Fibel finden wir in der Schweiz im Anfang der zweitenEisenzeit, eben der La Tene-Periode. Diese muss also in unseremLande im vierten vorchristlichen Jahrhundert begonnen haben, was nicht

Fig. 340.

Certosafibel aus Bronzevon Freggio bei Osco.

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