Viertes Kapitel.
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5. Spuren vorrömischer Ansiede hingen im nachmals römischenVindonissa, in Aventicum , Octodurus u. s. w. Scheffel hat unsin seinem „Ekkehard“ ein Kulturbild des X. Jahrhunderts entrollt,das Tausende erfreut. Wie er dazu gekommen, erzählt er inder Vorrede zu seinem Buche mit folgenden Worten: „DerSchreiber dieses Buches ist in sonnigen Jugendtagen einstmals mitetlichen Freunden durch die römische Campagna gestrichen. Dastiessen sie auf Reste eines alten Grabmals und unter Schutt undTrümmern lag auch, von graugrünem Akanthus überrankt, ein Haufeauseinander gerissener Mosaiksteine, die ehedem in stattlichem Bild-und Ornamentenvverk des Grabes Fussboden geschmückt. Es erhobsich ein lebhaft Gespräch darüber, was all die zerstreuten gewürfeltenSteinchen in ihrem Zusammenhang dargestellt haben mochten.Einer, der ein Archäolog war, hob die einzelnen Stücke gegens Lichtund prüfte, ob weisser oder schwarzer Marmor; ein anderer, dersich mit Geschichtsforschung plagte, sprach gelehrt über Grabdenk-male der Alten, — derweil war ein Dritter schweigsam auf demBacksteingemäuer gesessen; der zog sein Skizzenbuch und zeichneteein stolzes Viergespann mit schnaubenden Rossen und Wettkämpfernund viel schöne jonische Ornamentik darum; er hatte in einer Eckedes Fussbodens einen unscheinbaren Rest des alten Bildes erschaut,Pferdefüsse nnd eines Wagenrades Fragmente, da stand das Ganzeklar vor seiner Seele, und er warf’s mit kecken Strichen hin, derweildie andern in Worten kramten.“
Es ist schade, dass Scheffel nicht auch eine „Urgeschichte derSchweiz “ geschrieben hat, worin er, wie im „Ekkehard“, es gemacht,wie jener kecke Zeichner in der Campagna. Wir andern Leutehaben es nicht so gut. Wir heben nur „die einzelnen Stücke gegensLicht“ und überlassen das phantasievolle Ergänzen derselben gernden Lesern, höchstens dass wir ihnen ein klein wenig helfen. Geradehier, wo wir die Spuren jener 12 Städte und 400 Dörfer suchen,welche die Helvetier bei ihrem Auszug aus der Schweiz verbrannthaben sollen, wäre manchmal die dichterische Imagination nichtunwillkommen. Ob aber das Bild dann der Wirklichkeit entspräche?Wenn ich bedenke, wie viel durch phantasievolle Betrachtung derVergangenheit schon gesündigt worden ist, so ziehe ich vor, wiebisher, die Funde selbst sprechen zu lassen, hoffend, dass imGeiste des Lesers diese einzelnen Thatsachen sich doch zu einemlebensvollen Gesamtbilde vereinigen werden.
Als die Helvetier nach dem Unglückstag von Bibrakte in ihrealte Heimat zurückkehrten, da haben sie sich gewiss oftmals an derStelle ihrer früheren, vor der Wanderung zerstörten Wohnsitze neue