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Urgeschichte der Schweiz / Jakob Heierli
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Viertes Kapitel.

Die Freude der Gallier an den Pferden erkennt man schon daran,dass auf ihren Münzen das Pferd so häufig erscheint. Auch hel-vetische Reiter werden genannt und eine Orcitirix-(Orgetorix-)Münzezeigt das Ross, wie es in vollem Laufe dahinstürmt.

Die Angriffswaffen der Kelten bestanden zunächst in einemgrossen Schwerte mit gerader oder krummer Klinge. Es wurde aneiner Kette oder an dem oft mit edlem Metall verzierten Gürtel aufder rechten Seite des Mannes getragen. Eine andere Lieblingswaffewar die schwere Hasta, eine Art Lanze. Leichter waren die Mataraeund Tragulae, welche die Helvetier in der Entscheidungsschlachtvon Bibrakte zwischen den Wagen und Rädern ihrer Wagenburghervorwarfen. Das Gaesum, die Hauptwaffe der von den Römerneinst so gefürchteten Gäsaten, erwähnt Cäsar nur noch bei denWallisern. Auch Bogenschützen müssen die Gallier gehabt haben.

Als Schutzwaffen dienten der mit Häuten überzogene grosseSchild aus Holz oder Flechtwerk und der Helm, welcher, wie derSchild, mit allerlei Zieraten geschmückt war. Die Helvetier hattenbei Bibrakte in dicht geschlossenen Reihen den Anprall von CäsaFsReiterei ausgehalten. Die Schilde je zweier benachbarter Streitergriffen übereinander und bildeten so eine Art Mauer. Aber dieLanzen der Römer durchbohrten die Schilde, und da die Versuche,sie herauszuziehen, vergeblich waren, weil das Speereisen sichkrümmte, so hinderten diese zusammengehefteten Schilde die Kriegerin ihrer Bewegung, so dass viele die Schutzwaffen wegwarfen undungeschützt kämpften.

Unter dem Kriegsgerät der Kelten befanden sich auch dieTrompeten und die Feldzeichen, bei welch letzteren der Eber, derauch auf Münzen erscheint, eine grosse Rolle spielt.

b) Viehzucht und Ackerbau. Drei Jahre, bevor die Hel-vetier aus der Schweiz auswanderten, beschlossen sie, sich mitgrossen Massen von Vorräten zu versehen. Beim Auszuge selbsthatte jeder Getreide für drei Monate bei sich, das überflüssigeaber wurde, weil man es nicht mitführen konnte, verbrannt. AlsErzeugnisse des gallischen Ackerbaues nennt Plinius Gerste, Roggen,Weizen, Buchweizen, Hirse, Möhren und Zwiebeln. Aus dem Ge-treide wurde auch eine Art Bier gebraut, das als Getränk undausserdem zur Bereitung von Hefe Verwendung fand. Ein anderesGetränk wurde aus Bohnen dargestellt. Wein kam erst später zuallgemeinerer Kenntnis. Er mochte, als er zuerst durch den Handelbekannt wurde, auf die ihrer rauhen Natur so nahe stehenden Keltenetwa dieselbe Wirkung ausgeübt haben, wie die geistigen Ge-tränke, die den jetzigen Naturvölkern zugeführt werden. Plinius