Die Eisenzeit.
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ständiger Abhängigkeit von ihrem Herrn, dem sie zu gehorchenhatten. Wie innig die Verbindung zwischen dem Herrn und seinenKlienten werden konnte, sehen wir aus dem von Cäsar berichtetenBeispiel des Adiatumnus und seinen 500 Leibwächtern. Die Leib-wache teilte mit ihrem Herrn alle Annehmlichkeiten des Lebens.Ereilte ihn aber ein Unfall, so mussten sie dasselbe Schicksal mitihm teilen oder sich sogar selbst entleiben, „und wirklich hat sichseit Menschengedenken noch keiner gefunden, der nach dem Todedesjenigen, dessen Freundschaft er sich hingegeben hatte, zu sterbensich geweigert hätte.“
4) Die Sklaven. Cäsar spricht von entlaufenen Sklaven derGallier, von den Sklaven des Orcitirix, von den als Sklaven ver-kauften Verbigenern. Wir wissen nichts Genaueres über ihre Stellungim Staate.
Innerhalb Gallien’s bekämpften sich nun die einzelnen Staatensehr oft und innerhalb eines Volkes scheinen ebenfalls Fehdensich an Fehden gereiht zu haben. Es war ein Krieg aller gegenalle und nur in seltenen Fällen vermochte ein gallischer Adeligermehrere Staaten zu gemeinsamem Vorgehen zu veranlassen, z. B.zum Kampf gegen die eingedrungenen Römer. Wir treffen aberdoch Spuren von umfassenderen Organisationen. Die Druiden ver-sammelten sich alle Jahre einmal in der Mitte Gallien’s. lnpolitischer Beziehung findet sich die Einrichtung, dass von Zeit zuZeit ein allgemeiner Landtag stattfindet, eine gemeinsame Beratung,an welcher Abgeordnete aller Staaten Gallien’s teilnehmen.
c) Die Religion der Helvetier. „Alle Gallier sind demAberglauben sehr ergeben“, sagt Cäsar, „und daher opfert man inschweren Krankheiten, in Schlachten und Lebensgefahr Menschen,oder gelobt solche Opfer, die man durch die Druiden verrichtenlässt, in dem Aberglauben, dass nur durch den Tod eines andernMenschen sich ein Leben von den unsterblichen Göttern erflehenliesse. Solche Opfer sind sogar durch Staatsverordnungen eingefiihrt.Manche Orte haben ungeheuere Götzen von geflochtenem Reisig,die man mit lebendigen Menschen anfüllt, in Brand setzt und samtden Menschen verbrennt. Hinrichtungen von Dieben, Strassenräubernund andern Missethätern hält man freilich den Göttern für an-genehmer; fehlt es jedoch daran,, so nimmt man auch wohl Un-schuldige.“
„Unter den Göttern verehren sie vorzüglich den Merkur , vondem man überall Statuen sieht. Nach ihrer Ansicht ist er derErfinder der Künste, der Geleitsmann auf Wegen und Strassen undhat einen grossen Einfluss auf Gewinn und Handel. Nächst dem