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Urgeschichte der Schweiz / Jakob Heierli
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426
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Viertes Kapitel.

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Die sumpfige Ebene oberhalb des Sees Accion ist die Gegendum St. Triphon und im Wallis sassen also die Tylangi oderTulinger (im Oberwallis), die Daliterni, die Clahilci und die Be-wohner des temenischen (lemanischen?) Landes. Professor Öchsu,dessen Ausführungen wir hier folgen, hat nachgewiesen, dass dieseVölkerschaften halb germanisch waren.

Zu Cäsars Zeit lebten im Kt. Wallis die Seduner, die Veragrerund endlich die Nantuaten. Dass diese Stämme zu den Keltengezählt werden müssen, ist nie bestritten worden. Es muss alsoeine Zeit gegeben haben, wo im oberen Rhonethal die Germanenganz zurückgedrängt wurden. Oechsli vermutet, das sei geschehenanlässlich der Vernichtung der aus den Alpen stammenden Gäsaten-oder Lanzknechtheere durch die Römer im dritten Jahrhundert vorunserer Zeitrechnung.

Livius erzählt uns, dass am Schlüsse des fünften oder zu An-fang des vierten vorchristlichen Jahrhunderts das grosse Gebiet derKelten an Übervölkerung litt. Deshalb sandte König Ambiatus, deran der Spitze der keltischen Volksgemeinschaft stand, seine beidenNeffen Segovesus und Bellovesus mit gewaltigen Heeresschwärmenaus, um sich neues Land zu Wohnsitzen zu suchen. Segovesuszog über den Rhein nach Süddeutschland , Bellovesus aber führteseine Scharen über die Westalpen nach Oberitalien , vertrieb dieEtrusker und liess sich mit den Seinen unter dem Namen Insubrerum Mailand herum nieder. Ihm folgten andere Schwärme, die Bojer und Lingonen.

Diese Wanderung der Kelten gegen Osten führte die Helvetieran den Main und Neckar , die Vindelicier an den Oberlauf derDonau , die Taurisker in die Ostalpen, die Insubrer, Senonen,Bojer u. a. nach Italien . Einige keltische Schwärme drangen nach Rom und Griechenland , ja selbst bis nach Kleinasien hinüber. Zu dieserZeit vermochte sich die germanische Bevölkerung des Wallis infolgeder Abgeschlossenheit des Landes der keltischen Einwanderungbesser zu erwehren, als es in den ebeneren Gegenden von Süd­ deutschland , der Schweiz und Italien möglich war.

Als die Gallier der Poebene im dritten vorchristlichen Jahr-hundert mit den Römern den Kampf um Sein oder Nichtseinkämpften, riefen sie Söldner aus den Alpen zu Hilfe. Anfangswurde mit Abneigung gegen die Fremdlinge, später aber im innigenVerein mit denselben gekämpft. Im Jahre 225 v. Chr. überschrittendie Gäsaten, so genannt wegen ihrer Hauptwaffe, dem Gaesumoder der langen Lanze, in ungeheueren Scharen die Alpen , sodass 50000 Mann zu Buss und 20000 Reiter und Wagenkämpfer