1. Kap. Die Byzantiner. Das Geräth (Der Kaiserthron).
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durchaus beibehielt und nur durch Hinzufügung einzelner Orna-mentstücke bereicherte. Je älter diese Darstellungen sind um soenger schliessen sie sich dieser althergebrachten Form an (Fig. 77 a).Und auch noch die jüngsten unter ihnen (etwa aus dem fünftenund sechsten Jahrhundert) lassen bei aller Verschiedenheit ihrerAusstattung im Einzelnen, noch immer die der Sella curulis ur-sprünglich eigene Durchbildung eines tragbaren Klappstuhls er-kennen (Fig. 77 b. c; vergl. Fig. 23. Fig. 24).
2. Der Kaiserthron hatte sich dagegen mehr im Anschlussan die auch sonst von den vornehmen Ständen in Rom häufigerangewandten Prachtsessel (ähnlicher wie die Bischofssitze) zu be-sonderem Glanze entfaltet. Doch wurde für ihn noch ausserdemdurch den rein profanen Bezug, den man mit jenen von Haus ausverband, eine besondere Entwicklung gebeten. Diese beruhte inder Absicht auch schon der früheren römischen Kaiser durchihre rein äusserliche Erscheinung der Umgebung zu imponiren.Hierdurch erhielt der Thron schon frühzeitig eine ihn als solchenkennzeichnende, überaus kostbare Durchbildung, wobei man esvermuthlich nicht an plastischen Zierrathen fehlen Hess, welchedie Herrschaft symbolisirten, wie Löwenbilder u. dgl. Als sodannspäter aus gleichem Grunde Diodclian und Constantin das orienta-lische Ceremoniel an ihrem Hofe einführten 1 (S. 17 ff.), ward aber,wie kaum zu bezweifeln steht, der orientalische Herrscher-thron mit seinem vollständigen Prachtaufwand mit seinerhocherhobenen Estrade und seinem goldenen mit Teppichen be-hangenen Divan und seinem Baldachin — statt der Sella aureagebräuchlich. Dass dies wenigstens in Byzanz in der Folge wirk-lich der Fall war und wie man sich hier dann in der That be-mühte nicht hinter dem Orient zurückzubleiben, kann allein schonder Umstand beweisen, dass der Kaiser Theophilus den Mathema-tiker Leo anwies ihm einen Thron durchaus nach dem Muster desam Hofe des Abbassiden Moktabers zu Bagdad befindlichen, über-aus künstlichen Throns herzustellen. 2 Jenen Thron sah etwadreissig Jahr später, im Jahre 949, der bereits mehrfach genannteGesandte des Kaisers Berengar, Liudprand, beim Constantin Por-phyrugenilus und tlieilt darüber Folgendes mit: 3 „Vor dem kai-serlichen Thron erhob sich ein eherner vergoldeter Baum, aufdessen Zweigen verschiedene Arten von Vögeln sassen, die, vonvergoldetem Erze gebildet, je nach der ihnen eigenen Weise ihren
1 S. oben S. 18. — 3 Vergl. D. Fiorillo. Gesell, d. zeichnenden KünsteI. S. 63; dazu K. Schn aase. Geschichte der bildend. Künste im MittelalterI. S. 155. — 3 Liudprand. Buch der Vergeltung. VI. c. 5.