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2 (1864) Geschichte der Tracht und des Geräthes im Mittelalter vom 4ten bis zum 14ten Jahrhundert : von Hermann Weiss
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3. Kap. D. Völker d. südl. u. mittl. Europ. Die Tracht (Deutsche . 11. Jalirh.). 537

vorgelioben, dass sie aus asketischen Gründen ein solches Unter-hemde vermieden 1 und sich nicht selten an Stelle desselben miteinem grobhärnen Gewände bedeckten, 2 wie solches seit Altersals einziges Kleid nur bei den strengsten freiwilligen und bei dendurch kirchlichen Bann verurtheilten Büssern 3 gebräuchlich war.Andrerseits aber wurde es im elften Jahrhunderts namentlich beieinzelnen stutzerhaften Vornehmen üblich, die im zehnten Jahr-hundert beliebte getheilte Färbung der Hosen (S. 522) auchauf die Tunika auszudehnen und sich nächst mancherlei anderenaugenfälligen Schmuckgegenständen, wie kleiner an Kettchen be-festigter Spiegel von blank geschliffenem Silberblech 4 (f), eigenerHandschuhe zu bedienen (vergl. S. 513).

2. Die weibliche Kleidung blieb demgegenüber auch noch"'ährend des elften Jahrhunderts im Wesentlichen die frühefe;auch konnte sich ja bei dieser Bekleidung, bei ihrer an sich schonv on Hause aus grösseren Uebereinstimmung mit der bei West-r ömern und Byzantinern seit Alters gleichmässigeren weiblichenTracht, eine Umwandlung zunächst überhaupt weit weniger ine inem Wechsel der Form, als der Stoffe und des Schmucks äus-8 ern, in welcher Hinsicht denn allerdings auch das weibliche Ge-schlecht alle jene Vortheile wahrnahm, die der erweiterte Handeldarbot (S. 528). Die einzige durchgreifende Veränderung, welchehei ihr nun noch ausser der häufigeren Anwendung griechischerTrachtgewänder und griechischer Gewebe statt hatte {Ing. 236),bestand in der Verallgemeinung des bereits im zehnten Jahr-hundert begonnenen Gebrauchs das obere Kleid einestheils unter-halb abzukürzen, anderntheils die Ermel desselben zu kürzerenoder längeren Hängeermeln zu erweitern, so dass nun das Unter-gewand an sich zu selbständiger Bedeutung gelangte 5 {Fig. 237a - b. c; vergl. Fig. 229 d ). Zugleich, in Uebereinstimmung damit,Pflegte man dann auch das Oberkleid noch reicher, als ehedem,

1 So erzählt unt. and. Tliietmar von Merseburg . Chronik VII. c. 18v °n dem Bischof Eid, dass derselbe niemals ein Hemd oder eine Hose getra-gen i allein mit Ausnahme wenn er Messe las (zum Jahre 1015). 2 Vergl.®r das 8te Jahrhdrt.Leben des li. Gallus II.; ferner Karl den Grossenbetreffend, Einhard. Jahrbücher z. J. 814; sodann Leben des ErzbischofsAnsgars, von Rimbert c. 35 und Helmold . Chronik der Slaven I. c. 45l 2 - 12. Jahrhdrt.). 8 S. in Bischof Adalberts Leben c. 6 z. Jahr 999."ad über die äussere Erscheinung Heinrichs IV. vor dem Papst Gregor zuCanossa: Bruno. Sachsenkrieg c. 90. 4 Nach einer freilich nur wenig ver-bürgten Nachricht sollen derartige Spiegel schon zur Zeit Karls des Grossendie Geistlichen vonSt. Martini de la Tour auf ihren Schuhen getragen haben,niim sich in ihrer eigenen Herrlichkeit stets beschauen zu können": A. Ber-lepsch. Chronik vom ehrbaren und uralten Schneidergewerk S. 105. 5 Vgl.v - Hefner-Alteneck. Trachten des christl. Mittelalt. I. Taf. 42.