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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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A. Tracht. Spanien . Kleidung (im Aiigein. bis 1350).

Wertli von 4000 Maravedis, die der Ritterbräute den von 2000 erreichen.Auch sollten die Verfertiger von verbotenen Gegenständen nicht mehrmit Verstümmlung der Hand, sondern nur mit Verlust der Sache undGeldbusse bestraft werden, und die mächtigen Grundbesitzer im Ueber-tretungsfalle nicht mehr der Gnade des Königs anheimgestellt sein, son-dern auf ein Jahr die Güter entbehren, welche sie seiner Gunst ver-dankten. Im Uebrigen hatte der Prachtaufwand bereits fast in allengrösseren Städten die weiteste Ausdehnung gewonnen und so namentlichin Sevilla , welches dafür den Ton angab, eine derartige Durchbildungerfahren, dass man sprüchwörtlich davon sagte:Wer Sevilla nicht ge-sehen, habe Wunderdinge nicht gesehen!

Nach jener Verordnung, ungeachtet des fortschreitenden Luxus, wurdeb is gegen Ende des Jahrhunderts kein Gesetz mehr dagegen erlassen,ausgenommen eine Verfügung, die den Beischläferinnen der Geistlichenverbot, es den ehrbaren Frauen in reichen mit Gold und Silber verziertenGewändern gleich zu tliun, und ihnen, nächst gewissen geringeren Stoffen,als besonderes Erkennungszeichen einen Besatz der Hauben und Schleiermit einem Streifen rother Leinwand vorschrieb.

So verschwenderisch man nun aber auch mit der Kleidung verfuhr,wie kostbar man sie auch in Stoff und Verzierung behandelte, verbliebdieselbe doch im Schnitt selbst noch bis gegen die Mitte des Jahrhun-derts ziemlich einfach. Hierin im Ganzen übereinstimmend mit der inFrankreich und auch anderweit üblichen Bekleidung, bewahrte sie bis zudieser Zeit noch vorwiegend die auch ihr seit Alters eigene römischeGrundform. Auch sie bestand noch bis dahin, ausser in einer Beinbeklei-dung der Männer, bei beiden Geschlechtern fast gleichmässig wesentlichin tunikaälmlichen Unter- und Obergewändern und langen weitenUmhängen in Gestalt von Rücken- und Schultermänteln. Es war dieshauptsächlich noch die Form, welche sich in den nördlicheren Gebieten,freier von maurischen Einflüssen, von vornherein erhalten hatte und vonhier aus in Uebertragung auf die südlicheren Länder unter der christ-lichen Bevölkerung daselbst verhältnissmässig schon frühzeitig an Stelleihrer maurischen Bekleidung wiederum zur Vorherrschaft gelangte. Wäh-rend des jüngeren Verlaufs allerdings mochte man wohl von dieser Be-kleidung noch mancherlei Besonderheiten beibehalten\ haben. Allmäligindessen gab man auch solche auf oder verschmolz sie doch mit jenerForm, so dass sie damit mindestens schon um den Beginn des vier-zehnten Jahrhunderts gewissermaassen zusammenstimtnteu. Dies warnamentlich der Fall mit einzelnen Kopfbedeckungen, dafür man, inVerbindung mit der althergebrachten einfachen Rundkappe, eine turban-ai 'tige Umwindung von leichtem Stoff fortdauernd beliebte; nächstdemmit den Hüftgürteln, dazu man -wenigstens zum Theil, so vornämlich