524
II. Das Kostüm des 16. Jahrhunderts.
geistiger und mehr öffentlicher Bildung. Sie aber wurden ihm nichteher in wirksamerem Grade zu Theil, bis dass es durch die Eroberun 0Sibiriens (seit 1581) seine nordöstlichen Grenzen gesichert und mit dereinmiithigen Erwählung Michael Fedrowitsch Bomanow's (um 1613) seinevöllige Einheit hergestellt hatte. —
Mit der Wandlung des Aussenlebens hielt die Gestaltung von Trachtund Geräth nicht überall weder dem völlig entsprechend noch aUCdurchweg gleichen Schritt. Jedes in seiner Fortbildung von vornhereinbesonders bedingt, ging nach wie vor seinen eigenen Weg und wurdenicht minder, wie seither, in seinem allmäligen Fortschreiten durc
mancherlei Nebenumstände bestimmt. Für die Fortentfaltung der Tracht
ward Spanien zwar zumeist massgebend, aber keineswegs durchaus entscheidend. Auch währte es im Ganzen genommen, allein mit Ausnahmevon Frankreich und England, immerhin geraume Zeit bis dass sein Einfluss in diesem Punkte zu weitergreifender Geltung gelangte. So, etwaausser Neapel und Mailand , im ganzen übrigen Italien und den vereinigtenNiederlanden, wo solcher Einfluss kaum vor der Mitte des JahrhundeGestalt gewann. In Italien , so insbesondere in Venedig , erhielt 1Tracht, vornämlich mit auf Grund einer daselbst künstlerisch gesteigert 6 ”überaus reizvollen Sinnlichkeit, vielmehr ein noch freieres, ja zumselbst üppiges Gepräge, dem man auch das sonst zeitgemäss Steife wozu unterwerfen wusste. In Deutschland und den damit geistig verbundenennördlicheren Ländern bildete sie sich theils gleichermassen mehr in ih rervolksthümlichen Besonderheit, theils allerdings auch in Nachahmung ' ° nvielen ausheimischen Einzelheiten zu einem bunteren Gemische aUS 'welches indess der spanischen Tracht, mindestens im Allgemeinen, we s6ntlieh nur in der ihm auch eigenen strengeren Gemessenheit entsprach. ^ lCder spanische Einfluss allein war es, was der Tracht überhaupt ein ® 6einheitliches Gepräge verlieh, sondern zugleich der tiefere Ernst, denVerhältnisse andererseits hervorriefen und befestigten. Doch blieb sauch demungeaehtet, da mit dem Individuum als solchem gewissermass enaufs engste verknüpft, beständig dessen Eigenlaune, seinem Spielegesetzt. Wurde solches nunmehr auch wohl durch die „öffentliche Meinungim Ganzen zunehmend enger begrenzt, fand es doch stets noch Baumgenug sich im Einzelnen zu bethätigen. Der Aufwand, durch dieweiterten Handelsverhältnisse stark begünstigt, nahm in steigendem Maas sezu, und dehnte sich in immer rascherem Verlauf über alle Stände aU "Gleich seit dem Beginne des Jahrhunderts erhoben sich fortan aller O ft6 ”’nun seitens der regierenden Häupter, eingehende „Reichsordnungen ^gegen, die indessen trotz ihrer Häufung und steten Verschärfung so wemodurchgriffen, als die seitherigen Verordnungen der Art. — Für diestaltung des Geräths, wie vorzugsweise seines Schmucks, blieb die