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II. Das Kostüm des 16. Jahrhunderts.
Männern bei, was erst gegen Ende des Jahrhunderts begann sich inzu lösen. Freiheit in diesem Punkte behaupteten allein die Buhlen ^oder „Cortigianen“, welche allerdings, namentlich in Venedig , FI° r ^und Rom , eine Rolle spielten, indessen ihrer gesellschaftlichen ote °wegen eben nicht geeignet waren auf die Gesammtheit irgend bestim®zurückzuwirken. Die ehrbaren Frauen und Jungfrauen, und geradevornehmsten vor allen, wie dies unter anderen auch noch M° n ,(1533 —1592) zu bemerken Gelegenheit hatte, 1 hielten sieh im Hausezeigten sich doch nur bisweilen am Fenster, auf dem Balkon un< ^’Veranlassung auch nur höchst selten, im Theater und auf Spazier ®' ^
Ihre Zusammenkunft mit Männern beschränkte sich auf einzelne ^wie solche wohl die Höfe zeitweise veranstalteten. Aber auch seJden damit verbundenen Mahlzeiten wurden die Damen von ihren M a ^die hinter ihnen stehend Platz nahmen, bedient. Erst da in ^ ea ^ e j ne rMarquise du Guast, gegenüber dem Grand-Pricur de France und » eGefolgschaft, freilich auch nicht ohne staatskluge Absicht, eine ^ el ^ rte)>Strenge lockerte, bequemten sich allmälig auch an einigen anderendie höheren Stände zu ähnlichen Abweichungen. ^
Montaigne , nicht sehr erbaut von der vielgerühmten SchonItalienerinnen, vermochte sich ebensowenig mit der freieren, zwangBehandlung ihrer Kleidung zu befreunden. An die knapperefranzösische Tracht daheim gewöhnt, fand er vor allem „dass der ^welchen der Gürtel bedeckt,“ die Taille, sammt dem Leibcben,^^Körper nicht enge genug umschliesse, seine Form nicht genug kennze'und dass die Männer auf eine zu starke, üppige Ausbildungzu hohen Werth legten. In allem Uebrigen aber musste er dendenn doch, in Uebercinstimmung mit Brantome (S. 548), einen aus ^den Geschmack zugestehen. Nicht allein fand er ihre Weise das ^zu tragen und ihre Haltung („contenance“) würdevoller, anm u jeareizender („a plus de majeste, de mollesse, et de douceur“) a ^ s - gC berfFranzösinnen, vielmehr auch den Faltenwurf ihrer Gewänder ® a .jj c jiwie auch ihren Schmuck und den Reichthum ihrer Kleider unvcrg^^nkostbarer, denn bei jenen: „Alles ist erfüllt von Perlen und ^Gerade hinsichtlich der Fülle eben dieses Schmucks, gaben 1auch wohl weder die Spanierinnen noch die Französinnen etwas ^wurden von ihnen jedoch auch hierin durch grösseren Geschni r0 jfei>.Art der Vertheilung und eine gefälligere Maasshaltigkeit weit u v0 nAm wenigsten, besonders in Venedig , verstand man sich z ^ eS jjock s 'jenen so vielfach beliebten unverhältnissmässigcn Ausspannung u
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1 Michel de Montaigne . Journal du voyage en Italie parI’Allemagne. ä Rome, et se trouve ä Paris 1774.