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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1063
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A. Tracht. Schweiz . Kleidung im Allgemeinen (16001700). 1063

Die Schweiz , in ihrer selbständigeren Geschlossenheit nach Aussen,fremden Einflüssen überhaupt wenig zugänglich, setzte, gleichwie einerFranzösirung an sich, auch einer "Wandlung der Tracht, namentlich aberim Sinne der französischen, mehr als einen Damm entgegen. Wohl un-terlag sie noch manchem Wccliel, indessen vollzog sich solcher auch unterverhältnissmässig nur sehr geringer Beimischung von ausserländischenBesonderheiten, eben fast lediglich aus dem einmal als volksthümliclxBestehenden heraus, und so überdies auch nur schüchtern und ziemlich lang-sam. Dem Schweizer , als mit seinem Lande aufs engste verbunden,galt eine mögliche Forterhaltung des Herkömmlichen, das Vererben vä-terlichen Brauchs in Sitte und Tracht, gewissermassen als eine heiligeBflicht gegen sich und seine Nachkommen. Aber das eine wie das an-dere war auf dem Gcsammtgebiete nicht überall gleichförmig bemessen.Seit lange nach den einzelnen Landschaften oderKantonen verschiedengeartet, blieb nun demgemäss selbst auch ein solcher kleidlicher Wechsel,hei aller heimischen Gebundenheit, je ein besonderer, weit entfernt davondie von vornherein also bedingte Mannigfaltigkeit im Ganzen aufzu-heben oder auszugleichen. Eine etwaige Ausgleichung konnte mithina Uch folgends immer nur in sofern statt haben, als der Wechsel von dersonst überhaupt herrschenden Zeitströmung bestimmt oder mit fortge-r 'ssen wurde. Dies war dann allerdings wie vor an mehren Punkten,w ie denn vornämlich in den Frankreich zunächst gelegenen Grossstädtender Fall, obschon auch von diesen Städten immerhin einzelne dem Ein-flüsse von dort hartnäckig genug widerstanden, und in Fortgestaltungder Tracht, wie unter anderen Zürich , selbst bis weit über den Schlussdes Jahrhunderts mindestens eine ganz ähnliche Selbständigkeit, wieviele der deutschen Reichsstädte und vor allem Strassburg , zu bewahren"ussten. Nicht ebenso freilich in den, jenem Einflüsse stets unmittel-barer ausgesetzten Städten, wie Basel , Bern , Freiburg u. A.Bennoch drang auch in ihnen die französische Tracht noch keinesw r egsvöllig durch. Soweit sie dort auch Aufnahme fand, beschränkte sichdies wesentlich auf die höheren, gebildeteren Klassen, zudem auch aufe * n bestimmteres Maass, wie solches sich einerseits aus dem volksthüm-Bchen Sinne ergab, andrerseits aber auch Vorschriften und Verordnungen,'Velche mit ziemlicher Strenge gehandhabt wurden, entschiedener regeltenand feststellten. Vor allem behauptete der Schweizer , welchem Gebieteer auch angehörte, mit manchen anderen vererbten guten Eigenschaften,®ine gewisse haushälterische Sparsamkeit, die ihn von unnützem Prunkeferner hielt, und Aufwand höchstens nur da hervortreten liess, wo erglaubte, wie namentlich bei ausnehmenden Familienfeiern, es seiner^ürde schuldig zu sein. Noch überdies aber hatten auch die Reforma-toren zugleich in Folge der von ihnen eingeführten gänzlichen Verein-