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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1065
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A. Tracht. Italien ; Polen ; Ungarn u. s.w.; Kleid, im Allgem. (16001700). 1065

gleiterin sich zeigten, und jeder Jungfrau als eine sittliche Pflicht, dieausserhäusliche Welt zu meiden. Freilich dachte man nicht überall, na-mentlich folgends, in gleicher Strenge, ja Hess es hie und da später, sov or allem in Rom , Neapel und anderen Grossstädten wohl auch ge-schehen, dass sich eine Frau einen als durchaus ehrbar erachteten Freunda ' s » Cidsbeo zu ihrem Verehrer und täglichen Diener erwählte; immer-hin aber war und blieb eine doch im Ganzen so streng geschlosse Stel-ling des Geschlechts, da sie gerade in der äusseren Erscheinung diegrösste Ehrbarkeit forderte, einer etwaigen Nachahmung der neuen (fran­ zösischen ) Modenform höchst ungünstig. Und so denn kam es dassdie Weiber, selbst auch in dem sonst so üppigen Venedig , mit nur spär-lichen Ausnahmen ihre zwar an sich reiche, jedoch oberhalb, bis zurTaille stark versteifte Tracht nahezu bis in die vierziger Jahre fort-setzten, sie erst von da an, zunächst mit nur einzelnen jener Formenmischten, und also gegen diese vollständig nur sehr allmiilig aus-tauschten.

In den östlichen Reichen änderte sich überhaupt nur wenig,sich in Polen die Tracht zu volkstümlicher Eigenheit einmal festierausgestaltet hatte (S. 687), legte man, bei wachsendem Nationalgefühl,gerade fortan ganz besonderen Werth auf ihre Erhaltung. Der Adelv °v allem setzte einen Stolz darin, und wies, indem er sie zu grosserPracht fortbildete, eine etwaige Einmischung von fremden, westländischenPormen möglichst zurück. Nur* das weibliche Geschlecht freilich ver-mochte dem nicht eben durchaus zu folgen. Indessen inwieweit das-s elbe vorerst auch noch fortfuhr, sich mindestens theihveis dem deutschen0( ler folgends dem deutsch -französischen Geschmacke gemässer zu kleiden,nahm es nun doch zunehmend mehr Bedacht die fremden Formen auchfeiner kleidlichen Besonderheit unterzuordnen, sie mit dieser zu einemmunerhin volkstümlicher erscheinenden Ganzen zu einigen. Wenn somitdie Männer bei ihrer Tracht, der Ermelweste (swpan), dem Ueber-y°ck mit Schnüren u. s. w. beharrten, und davon etwa nur insofern,jedoch auch wiederum nur nach ostländischer Weise abwichen, als sie,statt der engeren Beinkleider, weite, und statt der Schuhe, zumeistkurze (Reit-) Stiefel annahmen, so bewahrten die Weiber vorzugsweisesowohl die meist mit Pelz ausgeschlagenen kürzeren, jackenartigen, undlängeren, rockförmigen Ueberziehkleider, als auch die Kopfbehänge oderKopftücher, und die entweder ganz von Pelz gefertigten oder nur mitPelzwerk umrandeten Mützen und Kappen. Das Gleiche aber war,e ben nur in verschiedenen Graden des Aufwands nach Stoff und Schmuck,b e > allen Ständen der Fall, bis zum Bauernstände herab. Und ebensoblieb es auch selbst noch unter und nach August II ., Kurfürst von