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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1264
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J264 IV. Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.

In Spanien vor allem war dies der Fall, nicht nur beim Volkeim engeren Sinne, sondern auch, wenigstens noch auf länger, bei derstädtischen Bevölkerung, zum Theil selbst in den höheren Ständen.Auch Philipp V. gab dem nach, und trug selber noch zunächst zu dessenFörderung dadurch bei, dass er bei seinem Regierungsantritte (1701), umdem Volksthume zu schmeicheln, seine französische Bekleidungsweisegegen die spanische vertauschte, so namentlich das knappe Wamms nebstder gesteiften Halskrause, die wulstige Oberschenkelhose und den(„spanischen“) Schultermantel annahm. Doch war der König durchausnicht geneigt dabei etwa zu verharren. Ja gerade umgekehrt ebenin einer solchen Versteifung, wie in der starren Halskrause vorzüglich, einwesentliches Hinderniss zu freierer Bethätigung erblickend, begann ervielmehr schon bald zu versuchen diese Tracht zu beseitigen. Zu demZweck verfasste er heimlich eine lateinische Abhandluug unter dem Titel„Jupiters Urtheil über den Kragen“. Sie beschäftigte sich mit derFrage „ob der steife Halskragen gegen das Halstuch zu vertauschen sei“und beantwortete dieselbe durch die versammelten Götter dahin, „dassder Kragen den Männern allerdings ein ernstes und würdiges Ansehengebe, sich desshalb auch wohl für Rechtsgelehrte, Richter und Aerzteschicken möge, nicht aber für die sonstigen Stände, und am wenigstenfür Krieger“. Als kurz dann nach ihrer Veröffentlichung der König ineiner grösseren Versammlung absichtlich das Gespräch auf den Kragen(„ golilla “) lenkte, erklärten die „Grandes“ sich bereit ihn abzulegcn,wenn der König damit beginnen wolle. So denn ward zunächst diesesStück aus der höheren Gesellschaft verwiesen, aber freilich auch nuraus letzterer, und auch vorläufig nur insoweit als sie dem Hofe näherstand. Indessen nachdem einmal mit dem Kragen zugleich das Haupt-stück gefallen war, fand auch das fernere Vorgehen des Königs, wie nun-mehr in der Wiederaneigung der französischen Modeformen nicht minderweitere Nachahmung, allerdings auch vorerst eben nur in demselbenengeren Kreise.

Gleichwohl war nun hiermit die bisher gemeinsame Schranke durch-brochen. Auch ging diese Neuerung so von Oben herab, wenn immer-hin nur' ziemlich langsam und auch einstweilen noch nur zum Theil, auf

dem Franz, des Herrn Breton. Pesth 1816. K. Buddeus. Volksgemälde undCharacterköpfe des russischen Volks. Leipzig 1820. A. G. IToubigant. Moeurset costumes des Russes, reprfisentfis en 50 planches color. avee texte explie. Fol.Paris 1821. Costumes de la Russie. Dessinfis et gravfis par Martinow. 37planches color. 41 Blatt russ. Costumflguren rad, von A. Dahlstein. Fol.1700—1750; desgl. radirt von Balzer. Le Caucase pittoresque, dessinfi d’aprösnature par le Prinee Grfigoire Gagarine, avec une introduction et un texteexplicatif par le Comte Ernest Stackeiberg. Paris. i2. Türkei '. S. oben S. 705.