B. Geräth. Das städtische "Wohnhaus, im Allgemeinen (1700—1815 ff.)- 132V
fördert durch die stetig vielseitigere Entfaltung des gesellschaftlichenVerkehrs im engeren Sinne, war und blieb, wie einerseits für die wohn-räumliche Gesammtausstattung, so für die Gewerblichkeit überhaupt derbei weitem kräftigste Hebel (S. 1111). Der bedeutende Vorsprung, denauch darin viele Grossstädte, wie vor allem Paris, Madrid, Florenz undLondon, in Deutschland nächst Köln am Rhein und Frankfurt am Main ,vorzüglich Wien behaupteten, wurde, zumal bei der Raschheit mit derSt. Petersburg sich glänzend erhob, für die noch sonstigen Hauptstädtezu einem immer heftigeren Sporn der Nacheiferung. Fast überall inihnen entstanden, unter Erweiterung und Verschönerung derselben, mehroder minder stattliche Häuser, die ihrer inneren Einrichtung nach jedemBedürfnisse entsprachen und sich allmälig, unter Beseitigung ältererBaulichkeiten, zu ansehnlichen Strassen aneinander reihten, hie und da,-je nach Verhältniss der wachsenden Zahl der Einwohnerschaft, nun auchin steigender Zunahme als „Mietshäuser.“ Freilich ging eine solcheErweiterung, auch selbst in grösseren Städten im Ganzen nur langsam.Dennoch schritt sie immerhin dergestalt vor, dass von diesen Städtenmindestens in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts nicht wenige eingänzlich verändertes Ansehen darboten. So in Deutschland nebenDresden, München, Hannover u. A., das doch gerade nicht durch Reich-thum ausgezeichnete Berlin , von dem zum Jahre 1799 ein eingehenderBeobachter, nicht ohne auch der noch vielen Mängel daselbst zu ge-denken, rühmend hervorhob: 1 „Die mehrsteu Strassen sind geräumig,breit, und die Häuser selber über vier Etagen hoch. Auch an freienund offenen Plätzen mangelt es nicht. Man empfindet daher das Drückendeder Luft in denselben nicht, was in Wien, Hamburg und anderen Städten,
1793;“ „Collection d’estampes d’ameublement. Paris , ehez Le Pere et Avan-lez (nach Zeichnungen von Boucher, gestochen von Dupin, Richard, Pel-letier etc. 300 PI.); dazu die theils sehr umfassenden Sammlungen als stete Bei-gaben mehrer der (S. 1205) verzeichneten Mode-Zeitschriften, bes. „Meubles etobjets de gout. Paris, au bureau du journal des dames“ (372 Taf.); J. Bertuch .Journal des Luxus und der Moden; Journal für Fabrik, Manufactur, Handlungund Mode; u. A. m. B. Nach dcvii Jahve i800 : H. C. Riedel. Sammlungarchitectonisch er äusserer und innerer Verzierungen für angehende Baumeisteru. s. w. Berlin 1806. C. Percier et F. L. Lafontaine. Recueil de döcorationsinterieures,, comprenant tout ce qui a rapport h l’ameublement etc. ä Paris 1812.F. Bodin. Collection de gravures concernant Pameublement. Dedite ä M. Bou-lard. Paris (an 1815). Ackerman’s selection of Ornaments for the use ofsculp-tors, painters, carvers, modellers etc. with 120 plates. London 1817. F. Ch.Schinkel. Vorbilder für Fabrikanten und Handwerker; Derselbe. Vorlege-blätter für Baumeister; Derselbe. Sammlung von Möbel-Entwürfen, herausge-geben von F. Lohde. Potsdam 1852; ff.
1 Berlin . Eine Zeitschrift für Freunde der schönen Künste, des Geschmacksund der Mode. M. Kpfrn. Berlin 1799. I. S. 43; S. 11 ff.