Der merkwürdige Aufschwung dieser textilen Neuerung und dierasche Eroberung aller Kulturländer durch die Spitze, sind aus derenVerwendung leicht ersichtlich. Ihre bescheidenen Vorboten finden wirals Besatz am Halse in italienischen Frauenbildnissen des 16. Jahr-hunderts. Mit dem zunehmenden Reichtum der Städte entwickelte sichdas Bedürfnis nach allgemeiner Inanspruchnahme der Spitze. Am Endedes 16. Jahrhunderts sehen wir bereits die prächtigen aufstehendenSpitzenkragen, bekannt aus den Bildern der Maria Stuart und derKönigin Elisabeth.
Das Damenkostüm zeigte für die Spitze stets eine besondere Vor-liebe. Schon im 16. Jahrhundert begegnen uns in Italien Spitzen alsHalskrausen, als Aermelbesatz und an den Taschentüchern. Am Anfängedes 17. Jahrhunderts erscheinen glatte Leinenkragen mit Spitzen besetzt.Bekannt sind dem Spitzenfreunde die Werke des bedeutenden nieder-ländischen Bildnismalers Frans Hals — 1584—1666 —, dessen sichereZeichnung die reichsten Spitzenmuster in voller Schärfe selbst im Kinder-porträt gibt. Um 1700 bringt die den Spitzen stets entgegenkommendeDamenmode als Kopfputz die Fontange, ein hohes Drahtgestelle, dasreich mit Spitzen garniert wurde. An den Frauenkleidern des 18. Jahr-hunderts beanspruchen die volants gewaltige Mengen schmaler Spitzen,bis zu hundert Metern werden auf eine Robe verwendet.
Selbst die Herrengarderobe konnte der Neuerung nicht widerstehen.Im 17. Jahrhundert werden Spitzen an Kragen, Aermeln und Schärpenverwendet, als Rosetten schmücken sie die Schuhe und umsäumen selbstdie Stiefelbesätze, sowohl im zivilen als im Militärkostüm. Um 1700kommen die kostbaren Halsschärpen von Batist auf, nach der Schlachtdieses Namens Steenkerke genannt. Die Enden waren mit abgepasstenreichen Spitzen besetzt.
Auch über die Schwelle des Heiligtums setzte die Spitze trium-phierend ihren Fuss. Die herrlichsten Spitzen werden für Alben undChorhemden ins Leben gerufen. Altartücher, Kredenzdecken undLavabo - Tücher werden mit Spitzen besetzt. Die Corporalien undKommuniontücher weisen zuweilen eine Kostbarkeit des Spitzen-
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