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hervor, dass Reinhard anno 1790 die Jüppen nicht zu kurzgezeichnet, wie vielfach angenommen wird.
Weil der Geschichtsforscher zufällig nur weiter hintenim Tal eine „Spitzkappe“ angetroffen, die er als runde Mützebeschreibt, so wähnte er, dass dort eine andere Tracht ge-bräuchlich gewesen sei. Nach Im-Thurn waren also amRanden hinten noch rote Mieder, ein Überbleibsel vomEnde des 17. Jahrhunderts, in Gebrauch gewesen.
Ich muss darauf hinweisen, dass von den flutartig, inder ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erschienenen schweizer-ischen Trachtenbildern, die wenigsten für die Trachtenkundein Betracht kommen können, auch wenn dabei gedruckt steht:dessinö d’aprös nature, wie z. B. in dem Büchlein „Costumessuisses' von F. Meyer 1886. Dort ist die Klettgauerin in einemengen, kurzen, blauen Röcklein gezeichnet, das unten herumeine Art Rüsche oder Volant aufgesetzt hat. Der Brustlatz istvon gelber Farbe. Auf den gewellten Haaren sitzt ein rotes„Biremässli“ Im Text heisst es dagegen die Kopfbedeckungbestände aus schwarzer Seide. Der Klettgauer ist in derChilehejüppe aber ohne Weste abgebildet. Der Text sagt,hie und da trage der Bauer eine rote Weste mit gelbenKnöpfen, aber es sei selten, denn man würde sonst seineschönen Hosenträger nicht bewundern können. Selbstver-ständlich wurde aber die Chilehejüppe nie als Arbeits-kleid angezogen. Die rote Weste gehörte unerlässlich zu ihr.Weil der Klettgauer die Hosenträger stets über der Westetrug, so entbehrt der Text der Richtigkeit. Derartig bunteHosenträger, wie sie das Bild Meyers vorweist, sind mir nie vor-gekommen. Die Trachtenbilder und Büchlein fanden damalssehr viel Beifall, weshalb sie, man möchte sagen, fabrikmässigsowohl in der Schweiz als auch in Paris und London her-gestellt wurden. Einer zeichnete die Bilder, ein anderer maltesie und ein dritter schrieb einen Text dazu. Kennern derReinhardgemälde Sammlung, jetzt im Historischen MuseumBern, ist es ein leichtes, diese als Vorlagen zu den meistenspäteren Trachtenbildern nachzuweisen.
Die schon erwähnte grosse Hochzeit in Schleitheim habe1841 den Anstoss zu Neuerungen für die Kleider gegeben,sagten mir die alten Leute. Immer mehr wurden nun für dieHochzeit-Jüppen beim Krämer halb- und ganzwollene Stoffegekauft. Da diese besser zu verarbeiten waren, als die harte