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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist, ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen, oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einen Zusatz der Heilig-Sprechung des Heil. Bruder Clausen/und Heiligen Martyrer Fidel, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen / zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den Ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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Von dem H. Wolffgang / Bischoff / und Beichtiger. 237

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er glücklich gethan / deßwegen er beysemen Schulgesellen grossen Ruhm / undr-vb darvon getragen / bey dem Lehr-meister aber Feindschaffr / und Haß /also daß er ihm die Schul verbotte.Aber wie er selbst bezeugt / hat er vonderselben Zeit an / die Geheimnuß derH. Schrifft von keines Menschen Lehr/sonder befunde / daß GOtt selbst ihnmit so scharpffen Verstand versehen /und begnadet hät. Und da Wolffrgang nicht von obgemeltem liebenFreund wäre aufgehalten worden/hät-te er die Welt schon längest verlassen isintemal)! er dem geistlichem Leben /ohn underlaß nachtrachten thät.

Nicht lang darnach wurde genann-ter Heinricus/ Wolffgangen Freund /von Käyser Ottone I. Magno / zumTrierischen Ertzbischoff erwählet / aufwelches ersuchen / und grosses Bitt /zöge Wolffgang mit ihm gen Trier /da hätte der Ertzbischoff ihn gern zugrösser» Ehren / und Würden befür-deret/ den Stifftcrn/ und Probsteyenvorgesetzt / aber Wolffgang wolle durchaus nicht darzu bewilligen/und mit gros-ser Srandhafftigkeit schlüge er solcheAZürden / und Ehr aus. Doch so vil"esse er sich ein / daß er junge KnabenUnder sein Zucht annähme / welches erohne Vergeltung/ umsonst thun wol-le. Undcrwise dieselbigen in den frey-en Künsten / Gottsforcht / guten Sit-ten/ und Gebärden / und that sich nachjedes Beschaffenheit / und Verstandrichten / Gelehrt - und Ungelchrten /nach dem sie es fähig waren/ den Ar-men und Trostlosen aber/ thäte er mitRath/ und That von seinem eygnenGut Fürsehung / daß sie erhalten wur-den/ und ihre Nahrung bekamen. Di-se Liebe zu der Jugend / und. seyn auf-srbaullch Leben/ machte ihn männig-"ch Lieb / und angenehm. Dann erausser daß vil bettete/ fastete / undwachere / sich des Fleisch essens enthal-tn/ köstlichen Kleidern nichts nachge-jagt/ das Zeitliche / und Weltlichejlcher gestalt versehen / daß er dem-Men mehr eusserlich / als mit demA^rtzen zugethan wäre. Weil Ertz-Mschoff Henricus dises alles wohl wuß-ermähnet er denselben wlderum /wue hohe Geistliche Digniteten / und^tempter nicht ausschlagen / und in de-bewilligen diser Ursach halber^ damit die Geistliche Zucht /^^'^plkn in der Kirchen GQttes/^.Em Bischthum geäuffnet / und^ gebracht werde / wel-

sf. ^antz verfallen / wie es derAugenschein selbst erörterte. Damit

k. F. Murer, Die H. Schweig.

er aber nicht ungehorsam / und epgen-sinnig sich erzeigte / wolre er die Vischöffliche Aukhoritet / und ihres gut-heissen nicht verwerffen / wurde Dechandüber'etliche Priester gestelt/ welchesAmpt er dermassen versähe/ daß er denGottlosen ein scheuen/unv schröcken/ denFrommen / und Gonsföchtigen aberein angenehmer Vatter wäre. Ererhielte so vil bey denen jetzt mit Ve-rrohung/dann mit Vätterlichem Rath/und Fürsorg / daß sie sich gemeines Ti-sches / und Domitorij / oder Schlaff-hauß gebrauchten / dem studieren / undlesen oblagen / welches zuvor nicht bräu-chig gewesen. Sprache denen auchgantz Brüderlich zu / dem beschaulichenGebett / und Geistlichen Übungen Miternst obzuligen / sinremahl sie nur leib-licher Nolhturffk wohl / und genug ver-sehen waren. In disem allem gäbeer ihnen selber ein gutts Exempel.Hierzwlschen stürbe Heuncus der Ertz-bischoff rm Jahr deß HErren 964- zuRom/ (dahin er mir Käyfr Ottone/neben andern Fürsten gezogen / PapstLeonem vm. wider elnzufetzen) dkserTobt betrübte anfänglich nicht wenigWolffgangum / es ergetzte, und tröste-te lhne aber widerum / daß er jetzo seinfürnehmen der Welt abzudancken /könnte in das Werck richten. AberBrunn» Ertzbischoff zu Cölln beruffteihn / nachdem er sein Decanat zu Cöllnvon sich abgelegt / und übergeben /willens selben bey sich zubehalten / er-zeigte ihm alle Freundschafft / und an-erbotte rhme auch die Bischöfstiche Wür-de. Wolffgang aber / so jetzt etwaswichtigers im Hertzen hätte fürgenoh-mcn / wolt es ihme nicht zusagen/ver-blibe dannoch cin kurye Zeit bey ihme/von welchem er offt hernach pflegte zu-sagen / er habe selten einen gesehen /welcher disem Bischoff Brunnoni in al-len Tugenden / und Frommkeit gleichwäre. Derhalben nachdem der from-me Ertzbischoff vermerckt / daß derMann GOttes mit hertzlrcher Begierdnach strengerm Leben bedacht seye /hat er ihn mit sreuden lassen ziehen wo-hin fein Hertz gesinnct war.

Hierauf zöge Wolffgang nach fei-nen geliebten Vatterland / wurde vonseinen nunmehr eraltV Eltern/und an-dern Freunden mit sreuden empfangen/welche sich glückselig erachteten ern sol-chen Sohn/ und Erben nach ihnen zu-verlassen. Als aber die besaqte El-tern vernahmen / daß ihr Soyn'vorha-bens die Welt um ihrem Pracht/undPomp gänhllch zuvrlaffeii / wurde dieFreud/ undA kiu.ffc bald inLcyd ver-kehret : Ließe ,tch auch durch ihre

WirdDe«can damitdir Clerisctzverbcffertwerde.

Der Trit.rische Bi-schoff stirbt/Wolffgangkamt genCöllen.

Cap. j.

S. Weiss,gang komlwider heimj» seinenElkerrn.

Sein Zn,stand / undkämpf in "Verl^ffungder Welt.

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Thran/