Cap. 7.Deß Heil.Ilmanpidteren /»mb Zu«Send-
*»4 Von dem Gottfecligen Amando /
GOttes dl't Ursach/ dieweil es sich nicht wolte in ein kleines Myrchen-Bü.schclein einbinden lassen / wann wir nicht disem Leben den Geruch/ undLieblichkeit nehmen wolten. Zu dem hat uns auch die grosse Bitt/ undAnhaltuna viler andächtigen Kloster-Jungfrauen meiner Basen/ und ih-ren Mitschwestcrn/ die mich so inniglich ersucht haben/ daß ich dises Heil.Amandi Leben weitlauffigers in mein Schweizerischen-Heeligen-Bucheinschließen solte / derer Bitt / und Andacht hab ich nicht wohl abschlagenkönnen/ hoffcnt zu GOtt/ dise Arbeit werde ohn einen geistlichen Nutz/und Frucht nicht abgehen.
8 M das Jahr Christi 1295.
lebten zu Costantz / undUberlingen andemBoden-see gelegen/ zwey alte /ehrbare / und fürychme Ge-schlecht 1. die von Berg /oder Berger / und die Saussen. Esgeschahe aber um dise Zeit / daß einervon Berg/'so ein ehrlicher/ und für-trfflicher Weltmann war/ sich mit ei-ner von Saussen verheurathete/ diewar ein andächtige/ und gottsfvrchtige, Frau/ welche das bitter Leyden/ undSterben unsers Herren IEsu Christigern / und oft pflegte zu betrachten/undihre Ereutz/ und Leyden in die gesagteMarter Christi wohl wüßte zurichten/und zu überwinden. GOtt der All-mächtig aber begabete dise zwey Ehe-menschen under andern Kindern auchmit einem gebenedeyten Sohn auf S."Benedicti des H.Abts Tag/ war der2i. Tag Martij/umdas izov. Jahr/deme in dem H. Tauff der Nahm Hein-rich gegeben worden. Er ist von Ju-gend auf ein Gottsförchtiger / und from-mer Jüngling gewesen / von seiner Mut-ter zu der Andacht/ und Heiligkeit desLebens / und von seinen Lehrmeisternzu den freyen Künsten gezogen / undunderwisen worden. Weil auch unserHeinrich zu Costantz wohnete/dem Stu-dieren abwartete / und den fürtreffli-chen / und berühmten Prediger-Ordenin obacht name/ begehrte er eyfferig indenselben im 18. Jahr seines Alters auf-und angenomen zu werden. Nach ge-thaner Profeßion ist er von seines Or-dens Obrigkeit gen Cölln an Rheingeschickt worden / allda er in der Gött-lichen H. Schrifft so vil studierte/ undzuname / daß er mit seines gleisen jun-gen Ordens-Persohnen hatte mögen derHeil. Schrifft Doctor werden / aberdurch Gottes / und der ewigen Weiß-heit Anordnung war ihme geoffenbah-ret/ daß er gelehrt/ und verständig ge-nug wäre / ihme / und seinem Neben-menichcn zu der Vollkommenheit / undSeeligkeit zuhelflen/ ohn dem Ruhm/und Nahmen eines Doctors der Heil.Schriht. Und ob gleichwohl unser
S. Heinrich in den ersten 5. Jahrendeß Ordens durch die Gnad GOtteS'fromm / andächtiglich/ ohn grosse Sünd/und Ubertrettung seiner Regul / undSatzungen lebte / befände >er doch inihme ein unrühiges Gewissen / und ge-dunckte ihne GOtt wolte durch ande-re Mittel/ und weg ihnezusich ziehen/und führen / er könnte aber doch ihmeselbsten nicht helffen / noch durch ande-re geholffen werden. Er befände inihme mancherley Anfechtungen/ die ih-me bald zu GOtt / und bald zu derWelt zugen / wie daß auch ein gemeinfrommes / und unsträffliches LebenGOtt zu Zeiten angenehmer wäre /auch weniger Gefahr teufflischen Listen/und Nachstellungen underworffen / alSein abgesöndertes / und ungewöhn-liches Leben. Wann er zu seinen Mit-brüdern käme sich zubelustigen / müßteer vil hören / und sehen von seiner an-genommnen neuen Weiß zuleben / daßer gemeiniglich mit betrübtem / undun-rühigem Hertzen in seine Cell kehrte /sprechende zu ihm selber: wärest dunicht dahin gangen / so hättest du dasnicht gehört / noch das ander gesehen /und dein Hertz nicht betrübt gemacht.Sein grosses Creutz / und Betrübnußwar / daß er keinen Menschen hatte /deme er sein Anligen / und betrübtesHertz sicher/ und frey entdecken könn^te/ und dörffte.
Als nun der H. Amandus mit so!chen innerlichen Streiten / und Betrübnussen hefftig beladen wäre / begäbe essich zu einer Zeit / daß er an St. Agnesen der H. Jungfrauen / und Mar-kyrin Tag / nachdem Mittagessen al-lein in dem Chor in den underen Stü-len auf der rechten Hand voller kum-mer / und leyden stunde / und nie/mands bey ihm wäre / da wurde se>^Seel verzucket / sahe / und hörteche fachen / welche kein Zung kön^te aussprechen / also dass er hernachspräche: Ist daß nicht das Himmelreich / so weiß ich nicht was das H!^melreich ist; dann alles Leyden dsserWelt mag dise Freud nicht verdienen/
dise