Buch 
Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist, ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen, oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einen Zusatz der Heilig-Sprechung des Heil. Bruder Clausen/und Heiligen Martyrer Fidel, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen / zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den Ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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286 Von dem Gottseeligen Amando-

cken/ entblößte er sein Hertz/ nameei-nen Griffel in die Hand / sahe sein Hertzan / und spräche: Allmächtiger GOtt/verleyhe mir in disem Tag krafft/ undstärcke / daß ich mein Begierd möge voll-bringen / dann du O HErr must heutin den gründ meines Hertzens begra-ben / und geschmeltzt werden. Da-rauff fienge er an mit dem Griffel denNamen JESUS mit solchen Buch-staben I H S. in das Fleisch zustechen/und einzugraben / daß das Blut überden Leib herab fiele. Dises war ih-me lieblich anzusehen auß der feurigenLiebe mit der er entzündet war / undachtete deß Schmertzens gar wenig. Ergieuge hernach also verwundt mit demblutigen Hertzen außseiner Cellen in dieKirchen under das Crucifix / so bey demPult stunde/ knyete mder/ und sprach: mein GOtt / und Herr / meinerSee! / und meines Hertzens einige Lie-be/ sihe an meines Hertzens einige Be-gierd/ dann ich kan dich in mein Hertzje nicht tieffer trucken: O HErr ich bit-te dich daß du es vollbringest / dich inden Grund meines Hertzens truckest/«nd deinen H. Nahmen in mich alsoschreibest/ auf daß er auß meinem Her-tzen uimermehr möge ausgelöschet wer-den. Es gienge aber der S. Aman-dus mit verwundtem Leib / und Hertzvrl Zeit herum / ehe die Wunden wide-rum zuheylen wölken/ und bliben dieBuchstaben des Namen JEsus nach sei-nem Begehren auf dem Hertzen/ undwaren so lang als ein Gleich des klei-nen Fingers / und so breit als ein Stro-halm / und trüge den Namen auf sei-nem Hertzen bis in das Grab. Undwann sich das Hertz bewegte / so be-wegte sich der Namen JEsus gleich-falls/ er war gar scheinbar/ und trügeihn in der Geheime / daß er nur einemauß seinen Gesellen / und Mitbrüdernihme zeigte/ welcher ihm zu Cölln un-der wehrendem Studieren so geheim /lieb / und angenehm war/ daß er ihmein einem Göttlichen Gespräch seinesHertzens Kleynod offenbarere/ alsoun-derlieffe vifer fromme Bruder nichtmit täglichem bitten / und anhalrten / bis er ihme sein Hertz offne-re/ welches er zwar ungern thäte.Als nun dise beyde Freund / und Mit-brüder vil Jahr bey einander in derSchul gewöhnet hätten / und jetzt inihre K löster durch ihre Obrigkeit beruf-fen worden/versprachen sie ein andern /daß wan einer vor dem andern soltesterben / daß der ander ein Jahr langwöchentlich 2. Messen lesen solte / amMontag von den Abgestorbnen / undam Freylag von vem bittern LeydenJEsu Christi. Nach etlichen Jahren

stirbt deß Amandi Gesell / für dessenSeeligkeit er zwar fleißig batre / vergaf-fe aber seines groffen Versprechens we-gen der Messen / deßwegen die Seelseines Gesellen ihm erschiene / wegenseiner Nachläßigkeit straffte / und batteihn sein Gelübd zuvollziehen / so würder bald ein Kind der ewigen Seeligkeitwerden. Einmahls nach der Metten/da er von seinem Gebelt käme / gienger in sein Celten / setzte sich in seinSeffel / name das Altvatter Buch un-der sein Haupt / und wolle rasten. Dasahe er / wie ein grosser Schein / undKlarheit aus seinem Hertzen herfür kä-me mit einem guldinen Creutz / undköstlichen Edelgesteinen versetzt / dieleuchteten hell / und klar in Gestaltdeß Nahmen JEsuS / also name er dieKappen / und schlüge sie über dasHertz / und vermeinte / er wolle diedurchscheinende K larheit bedecken / daßes niemand möchte sehen/ aber er könn-te sie nicht verbergen.

Es hatte der H. Amandus ein löb-liche Gewohnheit / daß er nach derMetten in ein Capell sich begäbe / all-da in seinen Sessel ein kleine Zeit zu-ruhen / als aber der Wechter den an-gehenden Tag verkündigte / stunde erauch auf / fiele auf seine K'nye / undgrüssete den schönen Morgen-Stern diezarte Himmel Königin Mariam / undMutter aller Gnaden. Als er NUNauf ein Zeit also in seiner Ruhe fasse /hörte er etwas innerlich so hell erklin-gen ztl Zeit deß aufgehenden Morgen-Sterns / daß sein Hertz bewegt war/Und sänge alsi) : Stella Maria maris ho-die procdsit ad ortum. Der' Morgen-Stern Maria ist heut herfür gegan-gen. Dises Gesang erschalle überna-türlich in ihme / daß in ihme sein Ge-müth erfreuet wurde/und die heissen Zä-hern von seinen Augen schössen. Nachvollentem Gebett grüsste er auch dieewige Weißheit mit dem lobreichen Ge-bettlein Anima mea desideravit te irinocte. Mein Seel hat dich in deeNacht begehrt / mit einem Kuß derErden. Darauf/ und zu dem drit-ten küßte er den Boden / und grüßtedie höchste / und innbrünstige Geisterder Seraphin / daß dise SeraphischeGeister ihme sein Hertz in GöttlicherLiebe innbrünstig machten/ damit es inihme nit allein brinnen/ sonder auch al-le Menschen mit innbrünstigen reden /und predigen anzünden mochte. EShatte auch unser S. Vatter AmanduSvil liebliche Gespräch / und grosse Ge-meinschafft mit seinem H. Schutz-Engel/daß er thue offt sahe / mit ihme redte /und ihne umfienge / auf ein andere Zeit/als er nach einer grossen Trübsal geru-het