286 Von dem Gottseeligen Amando-
cken/ entblößte er sein Hertz/ nameei-nen Griffel in die Hand / sahe sein Hertzan / und spräche: Allmächtiger GOtt/verleyhe mir in disem Tag krafft/ undstärcke / daß ich mein Begierd möge voll-bringen / dann du O HErr must heutin den gründ meines Hertzens begra-ben / und geschmeltzt werden. Da-rauff fienge er an mit dem Griffel denNamen JESUS mit solchen Buch-staben I H S. in das Fleisch zustechen/und einzugraben / daß das Blut überden Leib herab fiele. Dises war ih-me lieblich anzusehen auß der feurigenLiebe mit der er entzündet war / undachtete deß Schmertzens gar wenig. Ergieuge hernach also verwundt mit demblutigen Hertzen außseiner Cellen in dieKirchen under das Crucifix / so bey demPult stunde/ knyete mder/ und sprach:AÄ mein GOtt / und Herr / meinerSee! / und meines Hertzens einige Lie-be/ sihe an meines Hertzens einige Be-gierd/ dann ich kan dich in mein Hertzje nicht tieffer trucken: O HErr ich bit-te dich daß du es vollbringest / dich inden Grund meines Hertzens truckest/«nd deinen H. Nahmen in mich alsoschreibest/ auf daß er auß meinem Her-tzen uimermehr möge ausgelöschet wer-den. Es gienge aber der S. Aman-dus mit verwundtem Leib / und Hertzvrl Zeit herum / ehe die Wunden wide-rum zuheylen wölken/ und bliben dieBuchstaben des Namen JEsus nach sei-nem Begehren auf dem Hertzen/ undwaren so lang als ein Gleich des klei-nen Fingers / und so breit als ein Stro-halm / und trüge den Namen auf sei-nem Hertzen bis in das Grab. Undwann sich das Hertz bewegte / so be-wegte sich der Namen JEsus gleich-falls/ er war gar scheinbar/ und trügeihn in der Geheime / daß er nur einemauß seinen Gesellen / und Mitbrüdernihme zeigte/ welcher ihm zu Cölln un-der wehrendem Studieren so geheim /lieb / und angenehm war/ daß er ihmein einem Göttlichen Gespräch seinesHertzens Kleynod offenbarere/ alsoun-derlieffe vifer fromme Bruder nichtmit täglichem bitten / und anhalrten / bis er ihme sein Hertz offne-re/ welches er zwar ungern thäte.Als nun dise beyde Freund / und Mit-brüder vil Jahr bey einander in derSchul gewöhnet hätten / und jetzt inihre K löster durch ihre Obrigkeit beruf-fen worden/versprachen sie ein andern /daß wan einer vor dem andern soltesterben / daß der ander ein Jahr langwöchentlich 2. Messen lesen solte / amMontag von den Abgestorbnen / undam Freylag von vem bittern LeydenJEsu Christi. Nach etlichen Jahren
stirbt deß Amandi Gesell / für dessenSeeligkeit er zwar fleißig batre / vergaf-fe aber seines groffen Versprechens we-gen der Messen / deßwegen die Seelseines Gesellen ihm erschiene / wegenseiner Nachläßigkeit straffte / und batteihn sein Gelübd zuvollziehen / so würder bald ein Kind der ewigen Seeligkeitwerden. Einmahls nach der Metten/da er von seinem Gebelt käme / gienger in sein Celten / setzte sich in seinSeffel / name das Altvatter Buch un-der sein Haupt / und wolle rasten. Dasahe er / wie ein grosser Schein / undKlarheit aus seinem Hertzen herfür kä-me mit einem guldinen Creutz / undköstlichen Edelgesteinen versetzt / dieleuchteten hell / und klar in Gestaltdeß Nahmen JEsuS / also name er dieKappen / und schlüge sie über dasHertz / und vermeinte / er wolle diedurchscheinende K larheit bedecken / daßes niemand möchte sehen/ aber er könn-te sie nicht verbergen.
Es hatte der H. Amandus ein löb-liche Gewohnheit / daß er nach derMetten in ein Capell sich begäbe / all-da in seinen Sessel ein kleine Zeit zu-ruhen / als aber der Wechter den an-gehenden Tag verkündigte / stunde erauch auf / fiele auf seine K'nye / undgrüssete den schönen Morgen-Stern diezarte Himmel Königin Mariam / undMutter aller Gnaden. Als er NUNauf ein Zeit also in seiner Ruhe fasse /hörte er etwas innerlich so hell erklin-gen ztl Zeit deß aufgehenden Morgen-Sterns / daß sein Hertz bewegt war/Und sänge alsi) : Stella Maria maris ho-die procdsit ad ortum. Der' Morgen-Stern Maria ist heut herfür gegan-gen. Dises Gesang erschalle überna-türlich in ihme / daß in ihme sein Ge-müth erfreuet wurde/und die heissen Zä-hern von seinen Augen schössen. Nachvollentem Gebett grüsste er auch dieewige Weißheit mit dem lobreichen Ge-bettlein Anima mea desideravit te irinocte. Mein Seel hat dich in deeNacht begehrt / mit einem Kuß derErden. Darauf/ und zu dem drit-ten küßte er den Boden / und grüßtedie höchste / und innbrünstige Geisterder Seraphin / daß dise SeraphischeGeister ihme sein Hertz in GöttlicherLiebe innbrünstig machten/ damit es inihme nit allein brinnen/ sonder auch al-le Menschen mit innbrünstigen reden /und predigen anzünden mochte. EShatte auch unser S. Vatter AmanduSvil liebliche Gespräch / und grosse Ge-meinschafft mit seinem H. Schutz-Engel/daß er thue offt sahe / mit ihme redte /und ihne umfienge / auf ein andere Zeit/als er nach einer grossen Trübsal geru-het