Buch 
Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist, ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen, oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einen Zusatz der Heilig-Sprechung des Heil. Bruder Clausen/und Heiligen Martyrer Fidel, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen / zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den Ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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z i o Von dem Gottseeligen Amando /

Sie sprach wollet ihr es nit lassen tod-ten / so laßt es auffs wenigest in dieKirchen tragen / daß ihme geschehe alsandern Finde! - Kindern / öder ihr müßtgrossen Kosten / und Ungelegenheitenmit ihme erleyden. Darauf sagte derS. Vatter - ich traue GOtt der michhat bischero erhalten / der werde mich/und dises Kind auch erhalten.

cap. zi. Als nun der S. Vatter Suso ver-nommen/ daß das Kind solle gebohrsseyn / begehrt er es von obgesagtemWeib / daß er es heimlich sehen möchte.Da er das Kindlein ansähe / und aufsein Schooß gesetzt hätte / lacheie es den

i ' S. Vatter lieblich an/ darab er vonGrund seines Hertzens seufftzete / undspräche: sötte ich ein so liebliches/ undschönes Kindlein todten ? das sey weitvon mir / dann ich bereit bin / wasGottes Barmhertzigkeit über mich ver-hängen/und mein H. Orden mir gebie-ten wird / daß ich es williglich wolle ley-den/ und außstehen. Ach du elendeszartes Kindlein / wie bist du sogar einarmes Weißlein/ dann dein rechterVatter hat sich deiner verläügnet / unddein schalckhafte Mutter wolt dich hin-werffen/ als ein schändliches Hündlein.Nun hat GOtt dich Mir geben / dichwill ich haben von GOttes wegen / undwill dein Vatter seyn ; ach mein Kinddu sitzest mich an auf meiner Schooßligend / und kanst nit reden / ich abermit verwundtem Hertzen/ und weynen-den Augen begiesse dein Angesichtlein /und bald darauf fienge das Kind auchan zuweynen. Als er sahe das Kind-lein meynen / spräche er : schweig meinKind schweig/ darunl daß du MeinKind nit bist / will ich dir Nichts thun /wann ich schon vil von deinetwegen mußleyden / du must mein / Und GOttesKind seyn. Aus disem Liebkosen desS. Vatters Susönis gegen den ar-men Weißlein / war das Weib auch zuweynen/ und Büß bewegt / die sie eszuvor todten wollen/macht ein so gros-ses Geschrey / daß sie der fromme Vat-ter stillen müßte / damit es nit Kündbarwurde ; nach disem gäbe er ihr dasKind widerum/ segnete/ und befählees GOtt/ und seinem H. Schütz-En-gel / und ließe es auch in feinem Kostkerziehen. Bey disem verblibe es nochnit / dann das schalckhafftige Weib ver-schreyte / und verläumbde unsern un-schuldigen Amand wo sie könnte/ undmochte / also daß einer aus seinen näch-sten Bluts -Verwandten/ das falscheWeib auf der Rhein-Brucken wolteins Wasser stürtzen/ wann ihme dergütige Vatter Sufo nit so ernstlich ab-gewehret/ undihnezur Gedulr ermäh-

net hätte. Deß S. Vatters bestöOrdens-Gesellen schmächetenihn / undwollen kein Freundschafft mehr mitihme pflegen. Sein eintziger Trostwar / ( damit wirs nicht rulang mach? )daß die Oberkeit seines Ordens nochnichts um disen Handel wüßten; baldaber hernach kamen die Provincia! /und Vicarij in die Statt / da dises fal-sche Weib wohnete / der fromme Vat-ter aber war nicht allda/ sonder woh-nete anderstwo. Er gedachte bey ihmelber/ lasset nun die Ordens-Vätterms böß/ und schalckhaffte Weib für-sich kommen / und geben ihren falschenWorten / und Reden einen Glauben/so bist du ein gefangner Mann / undlegen dich in einen solchen Nothstallder Büß / daß dir viel weger / undringer wäre zusterben. In disen peyn-lichenGedanckenverharrete er Tag/undNacht an einander; letstlich sprach erzu GOtt: O ewiger HErr/und Gott/wo ist jetzt dein Barmhertzigkeit ? wielang muß ich derselben erwarten? ichbin als ein verurtheilter Mensch anLeib/ Ehr / und Gut verdorben/ ichver.meinte GOtt wäre Milt / und eingnädiger Herr aller deren die ihr Hoff-nung in ihn setzen / rc. Da er solchöKlagen den halben Tag lang vil tribe/und vor Angst / und Noth nicht wüß-te was er thun sötte / hörte er inwen-dig also zu ihme sprechen : Wo ist deinResignation ? oder wann wirst du dichgäntzlich dem Willen-Gottes ergebenddu hast oft andern Menschen gerathenwie sie sich sollen in den Willen - Got-tes schicken/ und sich in denselben auf-opßern/ nun aber thu daß selbst / wasdu andere gelehrt hast.

Letstlich gäbe sich der S. Vatter tfrzur Ruhe/ und gedachte: Nun wohlan/mag es nit änderst sein / 6ar volunrastua, 6 Deus! In disen Gedancken sa-he er im Geist sein geistliche Tochtervor ihm stehen/(die ihme/ als sie nochlebte m dkfer Welt/ oft vorgesagt/daßer leyden werde / aber GOtt werdechn Nlt verlassen / und aus allen Nöthkhelffen)dise geistlich Tochter/als sie demS. Vatter mit tröstlichen Worten zu-spräche : hat ers mit Ungedult aufge-nommen/ und sie der Lugen gestrajst.

Sie aber lachlete darüber/ gieNge na-her zu ihme / und botte ihm ihr Heil.Hand / sprechend : Ich verstriche dirO. Vatter / an statt GOtt des All-mächtigen/ daß er dich nit wird verlas-sen/sonder dir bist / und alle andereTrubsaalen helffen überwinden. Ekantwortet ihr: O mein Tochter.'meinNoth ,st st groß / daß ich dir nicht kanglauben. Sie sprach hingegen: es

wird