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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist, ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen, oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einen Zusatz der Heilig-Sprechung des Heil. Bruder Clausen/und Heiligen Martyrer Fidel, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen / zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den Ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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4? 4 Vom Bruder Ulrich / 'Emsidler / und Beichtiger.

frommen Landleuthen / und Pilgern einschone Capell mit z. Altaren von Steinbauete / zur Ehr GOtles / und deßH. Ertz-Engels Michaels/ auch Bar-tholomai deß Apostels / und der secli-gen Anstauen IEiu Christi Annä / dochtst dise Capell erst den 23. Hcumonat/im Jahr 1504. nehmlich zwantzigJahrnach ihrer Erbauung gewyhen wordenC villcicht aus Mangel deß Patrimonijwegen / oder deß Orths Ungelegenheit.)Von Herr Balthasar Prediger-Or-dens / Bischoffzu Troja/ undWerch-bischoff zu Costantz / als er den Tagzuvor / daß ist auf Maria Magdale-nen Tag / die grosse Capell im Ranffthatte gewyhen. Bruder Ulrich holerStein würd auch mit Erbauung diserCapellen mit Mauren umfangen / undzu einer feiner Ccllen gemacht / mitzwey Fensterlein / dessen eingang jetzi-ger Zeir sich durch die Kirchen ziehet.

c,p.f. An disem Orth lebte Br. Ulrich ingrosser strenge/ und Abbruches lan-ge Zeit/ er asse desTagö nur einmal/und gar wenig Speiß - etliche Tag nurein dürre Bieren/ hoffte noch immervon GOtt Gnad zu erwerben/ damiter auch ohn leibliche Speiß leben möch-te / ebenmäßig wie Br. Claus. Alser aber dem Fasten lange Zeit strengergeben war/ würd er sehr Krafftloß/und Schwach/ da käme Br. Clauszu ihme/ zu fragen wie es stunde? be-käme zur Antwort: Nicht wohl / die-weil er Kranck seye / deme Br. Clauszu erkennen gab / er seye von GOTTnicht zu stärker Abstinentz verordnet /solle ein wenig essen/ damit er sein Le-ben nicht abkürtze: Bruder Ulrich fol-get ihm/ und asse/ und käme also wi-der zu Kräfften/ und Stärcke/ und ober zwar leiblicher Speiß nicht könnteentrathen / härte er dannoch dise Gnad/daß er Sommer/ und Winterszeit/unver dem kalten Stein/ ohne Feurkönnte leben / und ihme difes Landsgrimme Kälte nicht schaden/ welchesdann für ein grosse Gnad/ und Wun-derwerck billich zuerkennen ist. Ei-ben Jahr hat er nach erbauter Ca-pellen allda gelebt / wie lang aberzuvor / mag man eigentlich nichtwissen. Als sein Gewand anfiengzubrechen / aber aus Armuth keinanders vermöchte zukauffen / bekleidteihn B. Claus mit seinem eignen Rock/aus Brüderlicher Treue / hätten auchemandcr so lieb / und werth / daß sieeinander offt besuchten / von himmli-schen / oder aufferbaulichen Sachen miteinander sich beredten / und also wohlgetrost/ voll deß Geists von einanderschkidten.

Der stom B. Ulrich hat sein Bat- 6terland 1 und Adeliches Herkommen /die Täg seines Lebens niemands ver-trauen wöllen / doch weißt man / wieHerr Heinrich von Gundclfingen Chor-herr zu Münster im Ergöu bezeugt /daß er aus Bäyern / und R. P. Rade-rus S. JEsu , von München soll gebür-tig seyn. Da er zimblich alt von Jahren /deß ein samen Wesens wohl erfahren /bekäme ein Lust / und Verlangen derStatt Rom heilige Oerrer zubesuchen/ohne Zweiffel wäre es auch die gering-ste Ursach nicht / für die ncuerbameKirchen geistlichen Ablaß von Päpstli-chen Stuhl / und etliche H. Reliquienzuwegen zubringen. Begäbe sich ver-wegen I nach von B. Claus ertheiltemUrlaub im Jahr 1476. mit einem gotts-förchtigen Priester/ LucaKölbling/da-mahlen Pfarrherren zu Mutterthaal /auf die Straß : Dise zween Pilgernkamen also nach Rom / als sie die H.

Oerter nach Andacht besucht hätten /bekamen sie Heylchum / erlangtenauch von dem Apostolischen Stuhl / fürernante Capell im Möslin / vil Gnadund Ablaß / samt einer PäbstlichenBullen / an welcher 16. Cardinälen Si-gel aufgedruckt/ under welchen Rode-ricus Porruenlis Episcopus. OliveriusSabinenlis, Marcus Praenestinus Epi£copi den Vorzug haben. Sub dato1487. den 1. Febr. auf Maria LtechlmeßTag / Ponristcattis 8. D. N. Innocen-tij VIII, Anno III. Indictione V. Mitsolchem Bricff / und Heiligthum reich-lich begnadet ( wie noch heut in genan-ter Cape! zubeweisen ) begaben sich bey-de Pilgern mit Freuden widerum in dieEydtgnoßschafft/ der Priester zu seinerPfar:/ und B. Ulrich in seyn vorigeWohnung.

Bruder Ulrichs Freud / wegen er-langtes Schatz / und Gnaden / wur-de bald wider in Leyd verkehrt/weil erB. Clausen kümmerlich möchte bey Le-ben finden / sintemahl diser seyn vonGOtt vorgesetztes / und lang zuvor be-wußtes Ziel erreicht / und gantz seeligden 2i. Mertzen im Jahr 1487. ver-schieden/ welches V. Ulrich sehr beher-tzigte. Darum er wie ein verlassenesTurteltäublein / under seinem holenStein fasse / dienere hinfüro in grosserstrenge GOtt/ mit Betten / Betrach-tung/ Fasten/ und anderen geistlichenWercken. Und daß desto emsiger /well er sein Sterbstündlein herbey zu-nähen vermerckte: Müßte vil Anlauffvon dem leydigen Feind erleyden/ vonwelchem er etwaß hart geschlagen/undsein Rock zerrisen worden. Don denLandleuthen hakte er seyn Speiß /wel-che»