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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist, ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen, oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einen Zusatz der Heilig-Sprechung des Heil. Bruder Clausen/und Heiligen Martyrer Fidel, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen / zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den Ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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4fi Von dem GOttscel. Petro (ani'sio / der S. IEsu Priestern.

Massen daß er oft den gantzen Tag zuBeth ligen müssen/ andere mahl aber/wann er etwas verrichten wolt/ denAthem schwerlich erholen könnte/ warauch alle Mittel / und Artzney umsonst.Derowegen sein Haußfrau/ auß schul-digem Mitleyden/ sich zu des VattersCanisii ( den sie gleich nach seinem Ab-leiben zu ihrem Patronen in dem Him-mel erkiesset) Grab verfüget/ und all-da auf den Änyen / um Fürbitt beyG0tt / um ihres Manns Gesundheitgebetten. Als sie aber gleich von demGebet!/ und Grab widerum zu Haußgangen/ ist ihr der Herr ihr Ehemannmit grossen Freuden begegnet / und ihrangezeigt der Schmertzen seye gestillet/der Athem ringer worden/ und seyenunmehr aller Dingen gesund.

7. Ein ehrliche Matron läge nun-mehr zween Tag in den Kindsnöthenmit äusserster Gefahr der Mutter/unddeß Kinds. Als ihr aber des seel.Canisij Rosenkrantz/ oder Paternostergebracht worden/ und sie denselbigengeküsset/ und an den Hals gehenckt /hat sie gesagt-GOtt seye gelobet/ ichbefinde des Kinds/ so ich zuvor fürabgestorben gehalten/ hat bald hernachein frisches gesundes Kindlein mitfreu-den auf die Welt gebracht. Vonder-

selbiqen Zeit an / pflegten die gebaren»de Frauen/ dises Pater noster offter-mals mit grossem Vertrauen zubegeh-ren/ die dann augenscheinliche Hilffbefunden.

8. Ein junge Frau hat sich eins-mahls/ nach Ableiben ihres Manns /gantz/ und gar der Andacht ergeben /und mit Erlaubnuß des Canisij ihre-Beichrvatters/ em Gelübd der ewigenKeuschheit gethan. Nach Ableibungihres geistlichen Vatters / und Lehr-meisters aber/ ist ihr von underschidli-chen Orlhen nachgestellt / und zu derEhe begehrt worden. Welche Ver-suchung sie einmahl/ zwey/ oder öfter/durch Erinnerung des Gelübds dapfferüberwunden. Endlich aber nach man-cherley Anhaltungen hat sie angefan-gen Wanckelmüthig zu werden / undüber die Massen schwere Gedancken zu-bekommen/ biß ihr (als sie kein Ruhefinden können ) in den Sinn kommen/daß sie zu ihrem alten Beichtvatter ihrZuflucht nehmen solte. So bald sieaber zu seinem Grab kommen/ undzu-betten angefangen/ ist sie in ihrem al-

ten Vornehmen / und Gelübd wun-derbarlicher Weiß bestätiget / und alleUnruhe der verführischen Gedancken ge-stillet worden. Eben dise ist auchan einer Kranckheit darvon ihr kein Ar-tzet helffen könnte/ und von Todts-Gefahr/ als ihr einsmals ein Bein-lein under dem Essen / da sie allein ge-wesen / dermassen im Hals besteckenbllben/ daß sie vermeinte sie müßteversticken/ wunderbarlich durch Anruf-ung des seel. Canisij genäsen.

y. Im Jahr Christi 1612. als ei-ner Edlen Frauen Beremannin Dienst-magd sich mir der Pestilentz behafft be-funden/ hat sie ihr Nebenmagd gebet-ten/ daß sie ihr ein Beichtvatter holenwolte/ weil aber dieselbige besorgte /wann es lautbar wurde / möchte mandas Haus als vergifft sperren / hat siees nicht thun wollen. Der Krancken/als sie lang vergebentlich gewartet/hvch-ste Noth wäre/ sie möchte ohn Berchtsterben. AlS sie nun in solchen Ge-dancken läge/ käme chr in den Sinn /wie daß bey St. Niclaus ein frommerVatter begraben läge (dessen Nahmensie sich nicht könnte errnnern ) welchendie Bürger/ so sie in Nöthen/ undGefahren seynd/ anzurüsten pflegen.Thäte derowegen ein Gelübd / wann sieso lang Lebte/ biß sie zubeichten kommköMe/wölle sie zu desselbigk Grab gehen/und allda ihr Gebett aufopffern/ da-rauf ist von Stund an das Kopff/undBrustwehegcstilt worden/ unddiegiff-tige Beulen verschwunden/ bald da-rauf stunde sie von dem Beth auf/kä-me zu ihren Mitgespilen/ und warteteneben ihnen ihrer Arbeit ab. Sievergösse aber bald ihres Gelübds / jasie sienge auch an zuzweiflcn/ ob ihrdurch die Verdienst des seel. Canisiiseye geholffen worden. Derhalbendie Straff Gottes auch nicht lang auß-gebliben/ sonder die Beulen in einemAugenblick widerum entstanden / darabsie erschrocken/ von der Arbeit zu desS. Canisij Grab gelösten/ und ihnemit grossem flehen / und bitten umHilff angeruffen. Und ist also Got-tes Barmhertzigkeit gegen seinem ge-.treuen Diener/ und der jenigen die ihnum Hilft angerüfft/ so groß gewesen /daß ihr die Beulen zum andernmahlalsbald verschwunden. Also eh-ret GOtt die jenigen so ihngeehrt haben.

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