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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist, ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen, oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einen Zusatz der Heilig-Sprechung des Heil. Bruder Clausen/und Heiligen Martyrer Fidel, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen / zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den Ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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45 8 Von -cm Gottseeligcn Nicolao Rusca/ Priester / und Mark.

ihm? einen Mörder/ Verräther/ Umglücksstistter/ und den ärgsten Men-schen deß Erdbodens nenneten / ist erden 4. Herbstmonat/ ohn alleEhrsei-ner Priesterlichen Kleidern beraubt /auf ein Schleiften gebunden/ mit gros-sem geschrey / und gelächter durch denFl ecken Thusis zu dem Galgen geführt/allda zwischen dem Galgen / und dengeradbrochnen armen Menschen/ meinwüste Gruben gemorsten/ und mit Stei-nen / und Erden bedeckt worden. Dergünstige Leser wolle den in dem Anfangcitierten Auctorem Richardum vonRusconcra sechsten lesen/ darinnereinmehreren Bericht wird finden.

Was für ein Mitleyden / Weinen/und Erbärmnuß die von Sonders/ unddie von Thufis gehabt mit dem seeligenErtzvriester/ daß er so unschuldigerWeiß gefangen/ und gepeyniget/ jetztaber nach seinem Todt / und Märtetso schwächlich zu dem Galgen geschleifft/und vergraben worden/ müssen die BergUnd Stein bekennen. Also daß ihr vil/so wohlCarholische/ als Uncatholische/seyn auffrechres unschuldiges Leben /Sanfftmüthigkeit/ und Keuschheit höch-lich gelobt / und geprisen / die Richteraber wegen ihrer Tyranney 1 geschol-ten / und verfluchet. Es bekandteNauch ihrer vil / daß <NQrt deß uuschul-digen ErtzpriesterS Todt nicht wurdeohngerochen lassen / sondet einen Theil/wo nicht gantz Bütidten/ darum straf-fen/ und war die Straff vor der Thür;dann dster Nacht der schöne FleckenPlurs / ein Lustgarten der Graubünd-trn/ und Zterd deß Feldleins/ mithe-runderrelssendemBergs gemalt/ Stein/und Erden also bedeckt worden / daß eSnicht mehr zusehen / wo der Flecken ge-standen / darion auch vil hundert Men-schen/Viehe/ Gelt/und Gutzugrund

gangen. Als nun die tyrannische Rich-ter sich an dem seeligcn Ertzprtesterwohl gerochen / Und seinem Nahmenauß der Menschen Gedächtnus genoh-men/und außgetilget zu haben ver-meinten/ da hat G-Ott der Allmächtigjhne angefangen mehr/ und mehrzuer-höhen / anzuzeigen wie köstlich seynTodt/ Und Marter vor seinem Gött-lichen Angesicht wäre. Dann der über-natürliche liebliche Geruch blibe nachseinem Todt/ noch etwas Zeits in dergrausamen Gefängnus/ und sahe manüber seinem Grab zu Nacht überna-türliche/und scheinbahre Liechter/ wel-che die Predicanten gern vernichten wol-len / da sie sprachen : daß dise Liechternur feuchtigkeitender Erden wären/sogemeiniglich bey den hohen Gerichternsich zuerzeigen pflegen. Der grosseNeyd / und Haß aber hatte dise Pre-dicanten so witzig gemacht/ daß sie un-der den Himmelischen Lichtern / undder Erden Feuchtigkeit keinen besserenUnderscheidsehen/ und erdenckenkönn-ten.

Durch Anrühkung der Kleider deßfeeligen Nicolai ist einer von dem stechender Seiten / und grossen Schmertzenerlediget worden.

So ist underschidlichen Weibs;Perssohnen in Kindsnöthen durch Überle-gung seiner heiligen Kleidern / geholf-en worden / daß sie ein glückseelige Ge-burt/ und lebendige Kinder erlangethaben.

Ja auch einer so schon in Todksnö-then läge/ begehrte ein stuck von denKleidern deß St. Nicolai / welcherdurch Anrührung derselben/ seyn ge-wünschte Gesundheit er-langet hat.