46o Von dem Gottsteligen Fidele/
zu fragen/ wie einstens von dem kleinenVorläuffcr Christi Zvanne Kapütia dieFrag herumgegangen : was wwdwohl aus drstm Ätnb werden?
Die sorgfältige Elteren bemühetensich durch emsige Auferziehung den inihren» Kind eingeworffenen Gnaden /und Tngendsaamen noch mehrer herauszu treiben/ und zur Zeitigung schöneFrüchten zu beförderen. Der unver-murhet / und baldige tödtliche Hinrißdes Vattern aber hat sothane Sorg-falt Um den halben Theil geminderet;seine Ehefrau Genevefam zu einer Wit-tib : den kleinen Marcum aber zu einemeinseitigen Waysen gemacht. Genovefazwarliesse ihresOrths an einer recht müt-terlichen Obforg nichts erwinven. Al-lein wie sie gesehen/ daß sie der zimm-lichen Haußhalrung vorzustehen nichtgenugsam wäre/ ist sie zur anderen Ehegeschritten / und hat mithin ihren Sohneinem erbettenen Vormünder anbe-fohlen. Die Vorsichtigkeit GOtteshat in Erkisung eben besagten Vor-munvers sich mercklich blicken lassen; in-deme diser ein solcher wäre/ der denUnterbruch vätterlich / und mütterlicheSorgfalt/ Lieb/ und Zuneigung voll-kommentlich ersetzte. Nichts under-liesse er/ was zU guter Auferziehung ei-nes solchen ihme anvertrauten A'invserfordert könnte werden. Er hat Ma»cum seiner Zeit in die Schul geführet/und angehalten wohl lesen/ und schrei-ben zu lehrnen. Er hat ihne hernacheinen tauglichen Lehrmeister untergebk/von welchem er die erste fundamentender Örammaric, dann auch die höhereLatinität / und Gesatz der Wohlreden-heil in einem zimmlichen hohen Gradergriffen. Von dannen hat diser ge-treue/ und wenig minder / dann natür-liche Vatter seinen Pfleg-Sohn nackerFreybUrg / einer Voder-Oesterreichi-schen Stadt in Breißgau geschickt/ de-nen schärpfferen Wissenschaßten obzulr-gen; allwo er denen von GOtt / undder Nütuk ertheilten Talenten dermas-sen beygepflichtet/ deß er sich bey sei-nen professoribus in die allgemeine löb-liche Nechred gesetzt. Maccus Royübertreffe alle andere Schüler in derganyen Universität so an der wun»derbahrlichcn Scharpffsinnigkeit /und Geschwindigkeit des Verstands/so an dem Fleiß um ein merckliches.Nach dreyjährigen Studier-Lauff ister Magister der freyen Künsten/ undPhilosoph# mit allgemeinem Glück-Wunsch creirt worden, solche Glück-liche Fortgang haben seinem Gemüthden Wceg zu noch ferner/ und höherenWissenschaffren theils gebahnet/ theils
erleuchteret. Seitenwahlen er dannauch noch drey folgende Jahr dem Stu-dieren bceder / der Geistlich / und Welt-lichen Rechten aufgevpffcrt/ und miteben so viler Emsigkeit/ als Ruhm an-gewendet. Bey allem deme hat mangleichwohlen gar leicht vermerckt/ daßihme nicht so vll um Erlangung mensch-licher Werßheit / als um dre ErsteigungChristlicher Vollkommenheit gewesen.In allen Begegnussen zeigte er eine mitanzügiger Holdseeligkeir vermengteErnsthafftigkeit; eine von aller Gleiß-,nerey entfernte Andacht/und ein solchzüchtigen äußerlichen Menschen/ daßalle / so bey / und um ihne gewesen /ihne als einen Vorriß/ und Entwurffeines schon Geistlichen L)rdens-Mann6bewunderet. Ob gleich die seltzam ihmbeywohnende Eigenschafften Marcummänniglichen angenehm / und werth ge-macht ; wäre er doch sehr gesparsamin der Ansprach/ und Umgang mit an-deren -° Er liesse weder solche Redenvon sich hören/ oder solche Mitschülerin ferne Gesellschafft / welche nur vonweitem der Wohlständigkeil semer Sit-ten könnten nachtheilig seyn. Die soMit näherer Bekandt und Freundschafftihme beygethan waren / seynd der be-ständigen Aussag/ und Urtheils gewe-sen/ Marcus Roy habe in seiner zärt-lichen Jugend die schneeweisse Lilien sei-ner Jungftäulichen Unschuld unbemack-let erhalten. Dises schribe er zwarmit erkanntlicher Lieb der mächtigenGnad GOttes zu nichts destowenigerhat er es an der nothwendigen Mrt-würckung nicht ermangle» lassen. Da-hero dann die heickle Reinigkeit deSHcrhens/ Und des Leibs zu versiche-ren/ befliesse er sich einer allerzüchtig-sten Eingezogenhelt in seinen «usserit-chen Sinnen / einer peynlichen Abröd-tunq des Fleischs durch scharpffeBuß-Werck ; vor allem aber nach Rath desH. Geists eines eyferigen Gebetts.Die erste Bewegungen seiner Paßionenhat er drrgestalten bemaistert/ daß kei-ne derselben ihne jemahlen aus demSattel gelupffet. Obwohlen die Na-tur ihne mit einem zimlich hitzigen Geistbewaffnet/ hat ers doch durch die Tu-gend-Übung dahin gebracht / daß er inallen widrigen Vorfallenheiten als einZorn -freyes / sanfftmüthiges Lämmleerschienen.
Solche außerordentliche Vortreff-lichkeiten/ welche in disem Jünglinghervorleuchteten / haben ihme so wohlbey seinen Professoren / als Mnfcbule-ren den rühmlichen Übernahmen eineswahren/ weifen Christenö zuwegen /und in den Gang gebracht. Dahero
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