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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist, ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen, oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einen Zusatz der Heilig-Sprechung des Heil. Bruder Clausen/und Heiligen Martyrer Fidel, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen / zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den Ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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474 -Von den Gottseeligen Fidele/

Wie er sich nun von der GöttlichenVorsichtigkeit zu einem so hohen Diensterkisin gesehen / hat er eine etlichtägi-ge einsame Geists-Versammlung vorge-nommen / in derselben den AllmächtigenGSktum seinezu disem weil aussehen-den Geschäfft erforderliche Gnad; dieHeiligste Mutter Gottes um ihre Hilff/seine übrige H. H. Patronen um ihrenSchutz anzuflehen. Er hat wohl vor-sehen können/ daß die vornehmste Rot-tenmeister der dasig - abergläubischenIrrthume» sich öffters versammlen/ undihme Gelegenheit geben werden / mitihnen zu dlsputiren.Dahero er inner derZeit vor seiner Dahin-Reiß mit äusser--ster Anwendung sich auf das Studiumder Glaubens- Strittigkeiten verlegt /damtt er gleich die thunlichste Waffenan der Hand hatte / welche ihm diene-ren / ihre Zrrglanbige Einstreuungen /und Vorträg zmviderniethen / und zuentkräffren Also bewaffneter hat ersich auf die Reiß fertig gemacht; ehe /und bevor er von Feldkirch abgeschi-den/ hat er sich die Erlaubnuß vor demgesamt. und gesessenen Rath zu erschei-nen ausgebet/en: In diser Verhör hater selbigen Rathsherren mit äusserstemNachtruck eine genauiste Administri-rung / und Handhabung der Gerechtig-keit/ eine sorgsame Beschützung derWit»wen/ undWaysen/ eine Christliche Liebegegen die Arme / und «in brennende»Eyfer vor die Carhvlische Religion ein-gebunden : So dann / sagte er ihnen /daß sie feiner hinführo nicht mehr wur-den ansichtig werden / weil er dahinverreisen müste / wohin die BeruffungGOttes thne zu seiner grösseren Ehrbefchaidet hatte: Da er sich von seinengesiebten Brüderen beurlaubet / hat erihnen deutlich eröffnet / daß er nichtmehr zurück kommen werde/ angesehener in dem Pretigäu von denen Irrgtäu-bigenaus Haß des CatholischenGlau-bens sem Leben einbüssen werde. Wieer dem Bruder Menrad von Rappen-schweyl die lerste Hand gegeben / hat erdisem die seinige getruckt / und gespro-chen : euch (0<Dtt/ mein lieber

Bruder! wir werden nunmehr«- in di-ssem Leben einander nicht mehr sehen:Pündten wartet meiner. Est ist frey-lich gantz unlaugbahr / daß GOtt sei-ner zur Müh i und Arbeit gewartet / da-mit er ihne darauf cröne. Daheroister gantz unerschrocken / und obschon zukällister MmterS-Zeit/ doch gantz brenn-eyferig Pündten zugeloffen. An demFest der H. H. 3- K önig hat er von denhohen Geheimnussen dises Hochfreyer-Uchen Tags seine erste Predig gehalten;seltenmahlen von langer Zeithero selbi-ger Orihenvon den Cantzlennichts mehr

von dem wahren Catholischen Glaubengemeldet worden. Ein grosse Menge derZuhörer wäre diser Catholischen Prediggegenwärtig. Die Gnad der Beredsam-keit / der Nachtruck deß ernsthafften Ey-fers/die gegründteTieffsikusskeir der Leh-ren / die Bündigkeit der Vortrügen /und das Gewicht der vorgebrachtenaus dem Ansehen der H. Schlifft / undVätter gezogenen Sententzen hat allein die höchste Verwunderung / disen A-postolischen Redner aber in den allge-meinen Wahn eines neuen GesandtenGOttes gebracht. Gleich auf disePredig ist unter dem sich verwunderen-den Volck ein Gemürmel entstanden /und hiesse es überlaut / daß sie derglei-chen Sachen von keinem anderen je-mahls gehört hätten ; also zwär/ daßin kurtzer Zeit auch die benachbarteOrth von dem Ruff dises gewaltigenPredigers angefüllt / und angezogenworden. Unsere Glaubens»Gegnerfiengen an Zweiffel in ihrer Lehr zu be-kommen/ und wider ihre Prädicantenvor Toben zu grißgramen. WaSaber in allen die Andacht erweckte / undVisen getreuen Diener des wahrenEvangelij bey männiglichen in ein sol-che Hochschätzung beförderte / wäre seinheiliger Lebenö-Wandel. Dann beydurchtringender Winters - Kälte ist ermit blossen Füssen daher gegangen ansgethan mit einem gantz abgeschabenenHabit/ der thme zu nicht anders dien-te / als nur seinen Leib nach Ehrbar-keit zu bedecken; umgürtet mit einemgroben Strick/ vor Hunger/ und Mat-tigkeit aller auSgemörgelt / vor Frosthalb erstarret / unv unter ein sol-ches Volck geschickt/ welches ihm gantzfrembd/ zumahlen auch mehrentheilSverfeindet wäre. In solchen engenUmständen entfernet von allem Gesuchdes eigen Nutzes setzte er sein eintzigesVertrauen auf die Göttliche Vorsich -tigkeit / kein anderes Absehen haben-de/ als nur dem Himmel fein vil See-len zu gewinnen. t Der beglückte Fort-gang seiner Bemühungen muthet thnean / alle Winckel derselben Thälerendurchzustreichen / und nicht allein inden bevölckerten Dörfferen/ sondernauch in waserley einschichtigen Bauren-Hüttlein einzukehren/ wann er schon dieallcrrauheste mir Schnee bedeckteBerg-Gipffcl zu besteigen hatte / die sonstengegen dem sehr kalten durchschneiden-den Nordwind/ wo nicht unmöglich /doch beschwerlich zu übersetzen waren.Er versaumete keine auch geringste Ge-legenheit / denen Seelen beyzusprün-gen / keine Unzeit/ noch andere Jahrs-Unkommlichkett hat seinen angc flamm-ten Eyfer/ aufjiedes Ansprechen/ oder