Capucincr/ und Märtyrer. 48z
auch ein Layen - Bruder/ der vor dr-sem ein erfahrner Apothecker zu May-land wäre/ haben alle bezeuget / daßsie dergleichen Blumen-Arth niemahlgesehen. Ist dannenhero gar leichtzu ermessen/ daß GOtt durch dise auß-erordentliche Blum uns zu wissen ma-chen wolle; daß gleichwie sein getreuerDiener in dem Seraphischen-Para-deyß - Garten sich allzeit Lilien - mäßigaufgeführet; also auch anjetzo in dasHimmlische Paradeyß als ein blühendeLilien versetzet seye: Auch sich auf th-ue jener an denen Festtägen eines Mär-tyrers Kirchen - bräuchige Lobspruch -guttus germinavit, iicur lilium , & flo-rebit in aeternum ante. Dominum i
Zum voraus geschickt habe.
Disem Wunder ist gleich ein an-ders aufdem Fuß gefolget: Es habensich die Capuciner natürlicher WeißNichts anders einbilden können / als einvöllige Verwesung des allda schon vor6. Monath begrabenen Leichnams ih-res seel. Mit- Bruders : Anerwogendas Orth der Begräbnuß ein offenerder Unstimmigkeit der Witterung aus-gesetzter Platz wäre. Jedoch habensie dlsen an ewigen Fleisch -Theilen nochgantz frisch / und in solchem Stand ge-funden/ als ob er nicht längsten vor-hero in das Grab wäre eingesenckt wor-den ; ein über alle Massen lieblich ausdisem Todten - Cörper emsprüngendetGeruch hat das ohnfehlbahre Wunderwerck noch mehr beurkundet; worüberdann alle in Erstaunung; aber auch ineine nicht geringe Verwirrung gerat!)?/indem sie keine andere Geschirr/ denvölligen Schatz Zu erheben/ als einigeSporthen/ die abgelößte blosse Ge-beiner kümmerlich einzupacken/ bey sichhatten. Dahero sie ausser des vondem Leib allerdings abgelößte HauptS /und der lincken auch allerdings von demArmb abgesönderten Hand sie weiternichts mir sich zu führen vermöcht. Ha-ben derowcgen das Grab / und alleswider in Ordnung gerichtet / und denRuckweeg nacher Feldknch genommen.
Nachdem derBischoffzu Chur sol-ches wunderlichen Vcrlauffs verstän-diget worden / hat er Verordnung ge-than/ das Haupt/ und übrige von de-nen Heiligthümeren solle gleichwohl de-nen Capucineren eigen verbleiben; a-ber der übrige Leib solle seiner Thum-Kirchen als ein Erb / und Zierde Heim-fallen. Solcher Verordnung hat manunser seitsdas Haubt neigen/ und zu-friden seyn müssen. Bald darauf istder Leib in eine Todten - Küsten ein-geschlossen/ auf einen gezierdten Wa-
P. F. Murer } Die H. Schweitz.
gen geladen/ und nacher Chur über-führt worden. Mit disem mustt manunter Weegs zu Mayenfeld einstellen/der Vegierd/ und Andacht des Volcks/sonverbahr des Herrn Generalen GrassLudwig von Sultz / dene sehr verlang-te in drsen H. Reliquien die H. Seelseines lieben Freunds zu verehren / einGenügen zu thun. Die Ankunfftsokostbahren Schatzes hat unter den Bür-geren ein allgemeine Freud/ und Fro-lockung erweckt ; welches aber garbald unterbrochen/ und in eben so gros-se Traurigkeit/ Heulen/ undWeynenist verstummet worden. Ein entsetz-liche Feuersbrunst/ so bey eitler Nachterstanden/ hat schier die gantze Stadteingeäscherer: Die immer weiter / undweiter/ von Hauß/ zuHaußkriechen-de Feursflammen errelchten auch dasHauß des Herrn Generalen/ in wel-chem der H. Leib in Verwahrung stun-de ; kaum hat der Herr Grass wahr-genommen/ daß seine Wohnung disemunbändigen Element ein Brand -Opf*fer werde abgeben/ hat er weder Mu-he noch Mittel / noch Anschläg unter-lassen sein Quartier von dem Abbrandzu erretten s wie er aber nichts ver-fänglich gesehen / und allbereits dahingeschätzet/ har er doch in das jenigeGewölb eingerrungen / wo der gedene-deyte Leib eingeschlossen war/ solchenvor den Feurstammen zu versicheren :Aber die alle Gebein der Heiligen be-sorgende Vorsichtigkeit GOtces / istder Sorgfalt des Herrn Graffen vor-gekommen ; Massen er zu seiner unbe-schreiblichen Verwunderung gesehen /daß die Flammen schon das Zimmer /wo diser H. Schatz derselbtgen warte-te/ angeflacket/ und die Mauren zwarangegriffen ; aber nur / als wollten siedemselben im Fürübergehen einen Kußgeben / ohne die minvrste anoere Be-schädigung einiges Dings/ weil die vi-fem Heiligthum gehörige Ehrerbietungeuren Marckstein gesetzt/ den dieseibige.nicht überschreiten sollten. Dises hatin dem Gemüth des Herrn Generalendie Verchrung zu disem Heiligen ver-grösseret/ und das Vertrauen gegebenvon dem Allmächtigen GOtt noch einanderes Wunderwerck zu erwarten:Vefilcht das Ehrwürdige/ hinterlegteGurh in Mitte des Lagers zu über-tragen/ und in seiner eigenen Zeltenzu verschildtwachen. Und sehet daftein neues Wunder! Nach der gantz ein-geäscherten Stadt war es schon an de-me / daß das angelegene Schloß auchdaran müstre; ja zwey von Holtz ge-machte Revellins, auch der grosse Thurnan der Mauren schon in der Flammenstunde/ also daß die Soldaten schon
P p p aller