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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist, ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen, oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einen Zusatz der Heilig-Sprechung des Heil. Bruder Clausen/und Heiligen Martyrer Fidel, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen / zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den Ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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Capucmcr/ und Märtyrer. 497

disem wohl-meynenden Rath gefolget /empfindet sie in -sich einige Bewegungendeß Kinds/welches sich biß bahrn gantztodt aufgeführet; als mann dises gleich-sam vor Freuden aufhupffend/ und derMutter ein baldig glückliche Entbün-düng.verkünden wolle; wclche dann auchkurtz hernach zu männrglichen Frohlo-cken erfolget.

Von eben dergleichen Ergebenheitkan auch Nosina Ärdecherin zuGambs/zwey Stund von Feldkirch svrechen.Dlje neben unsäglichenKinds-Schmer-tzen harre auch ihre gewisse Anzeigun-gen ctrtcr abgestandenen Leibs-Frucht.Von beeden difcn schwären Anligen be-freyet zu werden thäte sie nur eins: SieVerlobte sich auf eine gewisse Arth gegendcmsecligen Märtyrer. Und gcdencket/unter wahrender ihrer Anrnffung ver-spühret sie schon Hülffvon oben herab /weiche dem todten Kind das Leben; ih-ro aber die Leichtigkeit hergebracht / das-selbe glücklich zu gebühren ; so sie zurDanckbahrkeit / und ewiger Gedächt-unß Fidelis hat taussen lassen.

Summa! Gleichwie der seeligeMannselbsten durch einen sonderlichen Bey-stand deß Himmels von seiner Gefaür-und Schmertzen-leydcnden Mutter Ge-novefa hat müssen gebohren werden /also hat er auch von GOtt sonderbah-re Knifft bekommen / denen GeburtS-Gefcrhren abzuhelsten: welches mit Bey-spihlen dem tausend nach könnte beur-kundet werden. An deren Stelle sollcuics genug seyn/in welchem Anna vonGeiß aus dem Dorff Gasis mit ihrenUnkosten die vornehmste Persohnenvertrerten. Dann sie unter der Preßgcwalrthütiger Schmertzen seusttzend /ehender zu sterben / als zugtbahren ver-meynte. Die so vil als gewisse Muth-maßung innhabender todten Leibs-Frucht wäre ein Zusatz ihres höchstenLeyds. Jndeme auch keine Hoffnungwenigist die Mutter lebend zu erhalten/ist ihr Bruder / Johannes mit Nah-men / auf den Gedancken gerathen :Don denen Capucineren die Strick-Gütel deß seeligen P. Fidelis auszu-betren / und die sterbende darmit um-zugürten. Es geschickt/ und mit so er-wünschten Erfolg/daß nach einer leich-ten Geburt sie gleichsam selbst vomDodt zum Leben gebohren worden.Der auf dem Hertzen ligende Stein derBetrübnuß wollte nicht zulassen sichvollkommentlich ru erfreuen: Ein todtesKind/ an welchem auf hefftiges er-schüttlen kein Leben hat können erkun-diget werden / wachte die Mutter un-tröstlich. Doch hak ße aus eigenem

Trib den seeligen Fidelem nochmahlenangeruffen / ein grosse Sach l über einWeyl nach knrtzem Geberr hat sie einlebendiges/ frisches Kind vor ihr ligen/welches holdseelig lachlend die Handleingegen ihr ausgestreckt / deroselben gleich-sam die Thränen von den Augen abzu-wischen / mit denen sie es als todt be-weynet. Stimmeten dahero alle ge-genwärtige ein innigliches GOtt < Loban / und preisetcn die Göttliche Barm-herzigkeit / die sich fort / und fort in demseeligen Märtyrer offenbahr machte.

Nun wollen wir diser Erzehlung denBeschluß geben/unter schuldigen Bey-satz alles möglichen Lobs / und danck-bahrlicher Erkandtnuß gegen der Aller-höchst / und unendlichen Majestät GOt-lcs / um das höchst dieselbe sich gnädi-g»stgefallen lasten bey Visen letsten Zei-ten seiner Heil. Catholischcn Kirchen /und sonderheitlrch unserem mindistenOrden einen solchen Helden zu erthei-len / dessen ausbündige Lugenden unsals ein mächtiger Antrib auch in jeneFußstapffen / welche er also unerschro-cken vorgetrucket/ hertzhastt einzutret-ten vermögen sollen. Mit / an stattdeß lotsten Sigills/ Visen Zeilen beyge-geheffteken bittllchen Ansuchen/daßdeeGlorreiche / und an Wunderthaten softuchtbahre Blut. Zeug Christi dersel-ben ferner Ausgiesiung/ welche ihm derAllmächtige GOtt in solchem Überflußerrheilkt/zu aUzeit grösserer Erhöhungder H. Römischen Catholischen Kir-chen / Erbauung der Wahrglaubigen /Erspriesiung der Catholischen Fürsten/vornehmllchst aber zur Versicherungder von allen Ocsterreichisch Gesinntenvor die Glory deß Kayserlichen Throns/Unterstützung der gehorsamst getrcui-sten Unterthanen / und Beschützung derwahren Kirchen so heiß erseufftzeten /als höchst nothwendiger Ertz Hertzogli-cher 8uccelllou, fortsetzen wolle.

Ja dises/ O unüberwindlicher Blut-Zeug Christi / solle vermahlen dein ei-gentliches Geschäfft seyn .' dises wider-holle ich / solle dein bey dem Throndeß allerhöchsten angelegenliches Wer-ben seyn / um dardurch deß Kayserli-chen/ Königlichen Ertz. Hauses allereyftrigistes Mitwürcken/ und bey dem Rö-mischen Stuhl mächtigistes anlangenerkanntlich zu belohnen; als deme dudie diser deiner Seeligsprechung / unddie von allen sowohl höchsten Welt-Regenten / als sammentlichen Land /und Leuthen auf Erden zugewartend-und erhebende öffentliche Verehrung /und Glory zuzuschreiben hast: Nehmlichvon dem Himmel auszuwürcken / daß

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