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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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52O Von dem Heiligen Notkero / Beichtiger zu St. Gallen.

trug kein sonderbahre Andacht zu demselb,gen. Als ihn aber hernach an ei-nem Schenekel so grossen Schtnertzenangegossen/ daß crs schier nicht mehrer!eydcn möcht/ ward er von seinerHaußfrauen angetriben/ und beredt/ein Gelübd zu S. Notkero zu verspre-chen. So bald er solches gethan / liessegleich in einer Viertelund der Schmer-len nach/ und forthin empfände er nichtsmehr dergleichen.

Dem Ulrich Schlumpffen Bürgerzu S. Gallen / Ware ein Knäblein ge-boten mit einem Bruch aufbeydenSei-tcn/ darzu auch nach vierzehen Wo-chen mit dem hinfallenden Siechtag ge-schlagen. Der Vatter käme erstlich zuunser lieben Frauen in das GottöhaußS. Gallen/ und als er war allda vorihrem Bild / käme ihm in Sinn / er sol-le Das Kind dem H. Notkero verloben.Da gienge er alsbald zu desselbenGrab / ruffte den Heiligen an für dasKnäblein/ und verhieße ihm ein wach-sines dreypfündiges Kind / auch täglichdurch ein ^antzes Jahr 5. Vatter un-ser / und Ave Maria vor seinem Grabzu betten. Wie er darauff heim käme/fände er das Kind an der Mutter Brüstsaugen / das wände sich von den Brü-sten gegen dem Vatter/ lachete ihn anund an dem selben Tag ward es vondem bösen Stichtag erlediget / auch wa-ren seine Brüch also gelindert / daß siejhme forthin kein / oder wenig Hinde-rung brachten.

Michael Haltmeyer Bürger zuS.Gallen / hatte einen Geltschuldner/wieauch einen Gläubiger zu Feldkirch/alsder Gläubiger den Michael tribe zu be-zahlen/ nöhtigete er hingegen seinenSchuldner/ der aber die Schuld laug-nete / und wolte einen Eyd darfür thun.Da Ward gemelter Michael in grossenAengsten / rüffle den H.Notkeruman/er wolte ihme beyständig und behilfflichseyn. Als nun vor der Dberkeit ge-weitet Statt dem Schuldner der Eydvorgelesen ward / hub er die Finger auffden Eyd zu thun / da schreyet er auff/und sagt: Owas hab ich wollen thun?ich bekenne die Schuld. Ward alsojhme sein Sinn in einem Augenblick ge-ändert/ durch Fürbitt/wie zu glaubendeß heiligen Nvtkeri.

Jetzt gemelter Michael Haltmeyet.litte an seinem rechten Arm grossenSchmertzen / daß er deßhalben nichtmehr könnte arbeiten / und dises weh-rte ein halb Jahr lang/ und möchtedurch kein Mittel geheylet werden. Daer letstlich sich zu dem H. Notkero ver-lobte/ ward ihm gleich in z. Lägen ge-holffen.

Widerum gesagtes Michaels dreyJähriges Knäblein hatte ein heimlicheverborgene Kranckheit an ihme / daß esweder stehen noch gehen konnte / gleichaber als er ward verlobet zu deß heili-gen Norkeri Grab / fienge es an zugehen/ und ward von aller Krünckheiterlediget.

Anna Gräffin von S. Gallen /hatte einen Bruder Sebastian aenakit/der hatte an seinem Leib zwey böse Ge-schwür/ daß er darvor weder Lag / nochNacht möchte einige Ruhe haben. Diethäte ein Gelübd für ihn zu dem H.Notkero/ mit einem Wachsliecht inder länge seines Leibs / und alsbaldbesseret es sich um den Bruder / undward hernach gantz geheylet.

Dorothea Schlaterin von S. Gal-ten/ hatte von Jugend auf ein blödesHaupt/ und litte gar vil Hauptwehe/daß sie offt deßhalben müßte zu Bethligen. Als sie aber hörte von so vilenMtraculen / und WunverzeichendeßH.Notkeri / verlobte sie sich auch zu seinemGrab / und es ward von Stund an bes-ser mit ihr.

GeorgiuS Tischmacher Bürger zuS. Gallen / würd an seinem rechten Armalso geschwecht/ daß er auf sechszehenWochen lang darmit nicht mehr könntearbeiten/ noch einen Löffel aUffheben;da er sich zu dem H. Notkero verspro-chen/ und das Gelübd außgericht/ward ihme innerhalb zweyen Lägen ge-holffen.

Anna Mertzinvon St. Gallen/Hatteeinen Knaben der von der Geburt her et-was Anligen an seinem Schlund / oderHals hatte / daß er manches mahl we-der reden/ noch athmen könnte. Visenverlobte sie zu deß H. Notkeri Grab/Und dem Knaben wäre alsbald geholftfen/ daß er hernach nichts mehr vonsolchem Übel empfunde.