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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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Von dem Heiligen Wolffgang /

Thran / und bitten nicht erweichen /noch von seinem Fürsatz abwenden /hielte ihnen den Spruch Christi für :Wer seinen Vatter/ und Mutter mehrliebet dann mich / der ist meiner nichtwerth. Er erzehlt auch was St. Hie-ronymuS Epistola i. zu Heliodorumschreibt: Ob gleichwohl dir dein jungesKind um den Hals fallt / ob schon deinMutter mit ausgelassnen verwirrtenHaaren / mitzerrissnen Kleidern dir dieBrüst / an welcher du gesogen hast /fürweiset / wann schon dein Vatter aufder Lhürschwellen liget/ lauste / undspringe über ihn hinaus / und ffiehe mitdrucknen Augen zu deß H. Lreutz Fah-nen. In solchem fall unbarmhertzig /und fest seyn ist allein die rechteFromkeit.Hingegen ermahneten ihn seine from-me alte Eltern / mit dem Spruch Güt-licher Schrifft: Vatter/ und Mutterin ehren zu haben / verhießen ihm gros-. * se Erbschafft/ und Reichthum/ hattenseyn Vorhaben einzustellen / sie nit zuverlassen / biß zu ihrem in kurtz herbeyschleichendem Todt/ solle ihre Augenzuvor beschließen/ und sie eines so gros-sen Hertzenleyds entheben. Auf di-. se / und dergleichen Weis Hütte mangern den Heiligen abwendig gemacht /wie dann die Welt / Fleisch/ und derleydige Tcuffel/ die/ so gutes Vorha-ben/ und Gedancken/ zustürtzen/ undzu verkehren sich nicht säumen / sondermit eusserstem fleiß sich bemühen. St.Wolffgang aber blibe beständig/ achte-te ihr sürbringen gering/ beredeteend-lich seine liebe Eltern mit guten /demüthigen / und heylsamen Wor-ten/ daß sie ihm bewilligten / seynVorhaben in das Merck zusetzen /und einen Geistlichen Orden anzuneh-Wirdtiu men. Nicht lang darauff/ im JahrMönch ;n des Herren 968. begab sich der seeligEinfielen. Diener Gottes in das Kloster Einsid-len im dem finsteren Wald ( da St-Meinrad im Einsidler - Stand gelebt /und die Marter - Cron erlanget hat )dieweil die Geistliche / und Klösterli-cheDiscivlin da in guter Ordnung/ undStrengkeit gehalten wurde / under dem.gottseeligen Vatter/ und Abt Grego-rio/ von Königlichem Stammen ausEngelland gebohren/ von deme weitersin seines Lebens Beschreibung hie-rinnen soll gemeldet werden/ under di-< ses H. Abts Lehr / und Underweisungergäbe sich St. Wolffgang / legte dieWeltliche-Kleider ab/ das Haar/undden Gräfstichen Stand / und Titul derGrasten von Pfullingen Beringen / undReidcnfelden (.dann underschiedlicheMeynung der Scribenten seines Gräß-lichen Zunahmens/ und Geschlecht hal-ben) liesse sich Scheren/ legte mit soli-

derer Freuden St. Benedicti Ordens-Kleid an / wolte nicht hochgeachtet wer-den / thäte den alten Menschen gäntz-lich auß / und fienge mit dem neuemOrden-Kleid ein neues Geistliches Le-ben an zuführen/ in welchem er nachgethaner Profession in allen Tugendenalso zunähme / daß er in kurtzem da- iA//,rauf vondenBrüdern gesagtes Gotts- ApPri»hauß / zu ihrem Dechand erwählet wur- per.de. Zu derselben Zeit käme auch S.

Ulrich Bischofs zu Augspurg in dasGottshauß Einsidlen / die Brüder nachseinem Brauch/ und Gewohnheit (wie ^er dann oft thäte) zubesuchen: undals er etlich Täg daselbst verhärtete /und von des H. Wolffgangs Sitten /und Leben bericht war / weyhete er ihnselber zum Priester/ und fienge an ihnmit sonderer Lieb wehrt zuhaben.

Damit aber Wolffgangus seinem c»'-Priesterlichen Ampt sonderlich nachkä- AA«/me / erhebte er ohn underlaß mit gros- ^ p E«ser Demuth seyn Gemüth/ und Geist vansAzu GOtt/ opfferete ihm durch seyn Ge-lübd / das angenehm Opffcr auf/ und ^batte ihn allzeit / so wohl für seyn/ alsfür anderer Heyl/ und Seeligkeit/wä-re auch jederzeit bedacht / wie er seinevon GOtt ertheilte Gnaden / und Ga-ben zu viler Beförderung/ Heyl/undSeeligkeit am besten mochte anwenden.

Und weil er die Gnad gehabt das H.Evangelium zu verkündigen / war erdarum nicht faumseelig/ als er abersich auf ein Zeit mit grosser Andachtbefähle in den Schutz / und Schirm S. S- E.Othmars/ seines besonder geliebten Pa- mar^troni / sahe er Wolffgang Visen H. Abtzu Nacht im Schlaff vor sich stehen / proph^also ihn auredent: Dieweil du mich ge- ihm-gcbetten/ bey GOtt dein Fürsprecherzu seyn / so wisse daß du gleichwohl arm/und dürfftig von Einsidlen ziehen / aberanderstwo zu Bischöfflicher Würde /und Hochheit wider deinen Willen /wirst erhoben werden: So du dis Ampt/wirst wie einem Hirtcm gebürt / eyf-ferig versehen / wirst du nach 22. Jah-ren seeliglich zu dem Himmlischen Vat-terland kommen. Ich verheiße auchdir daß du dein Geist an solchem Qrthaufgeben werdest/ da mein Gedächt-nuß in Christi Nahmen gehalten wird:da will ich zu der Stund deines seeli-gen Abschetds / mit Gottes Verwilli-gung/ und anderer mehr HimmlischenBesitzern zu dir kommen / dir beystehen/und für Gottes Angesicht begleiten.

Darüber St. Wolffgang sehr getrost /erkannte den Göttlichen Willen / daßer berußen wäre den Heyden das Evan;gelium zu verkündigen. Derhalbenmit Bewilligung seines H. Abts Gre-

gorij/