Von dem seeligen Bruder Llaufen /
wirrtet er - In der Betrachtung deßbittern Leydens unsers HErren IEsuChristi / und sonderlich bey der Schey-düng seiner Heil. Seel von dem Leib/empfinde seinHertz ein gründliche unaus-sprechliche Süßigkeit/ von welcher er dar-nach leiblich erhalten/und der Nahrungdeß gemeinen Lebens leichtlich empören/und gerathen möchte. Mir vorgehendermündlicher Beicht seinem ordentlichenPfarrherren zu Sachslen H. JohannBurcharden von Lentzingen aus Oester-reich / der in die 24. Jahr der PfarrSachslen löblich vorgestanden / em-pfienge er das Hochwürdig Sacramentdeß Altars erstlich auf alle hochseyrlicheFest/ und als demnach sein Capelleineygnen Priester überkam / fienge er B.Claus an alle Monat einmahl zubeich-ten/ und das hochwürdigest Sacramentvon seinem obgemelten Caplan H. Pe-ter Bachthalern würdiglich zuempfahen/und dasselbige zwar nach altem Catho-lischen Brauch under einer Gestalt al-lein / mit unaussprechlicher Andacht /und Ehrerbietung / und wohnete alsoGOtt in dem Menschen/ und der Menschin GOtt. Ligt derohalben an demTag/ und ist offenbahr / was dann un-sern wunderbahrlichen Einsidelohn leib-liche Nahrnng erhalten habe? nehmlichallein das lebendige Brod der Englen/welches er zwar täglich geistlicher Weiß/und demnach zu gewissen Zeiten auchSacramentalisch empfienge. Welchesdann auch klärlich insinviert die alteStraßburgische Chronick / kslciculusremporum genannt / so nehmlich An-us 1491. ( durch den Andächtigen Car-thäu er Wernherum Rollenwinck zuCöln beschriben) gedruckt mit disenWorten : Ein andächtiger Einfidel zuUndcrwalden in dem Schweitzerland ingrosser Demuth wird mit dem eintzigenFronleichtnam deß HErren alle Monaterquickt: hat 15. 3 ahr / und darüberohn leibliche Speiß gelebt. Dises be-stättiget auch Heinricus Glareanus indem Lobspruch der Helvetier.
Der S. Bruder Claus hielte in sei-nem Einsidlischen Leben dise Gewohn-heit / daß er kein Zeit ohne Frucht /und gute Merck liesse abgehen / und dißin solcher Ordnung. Den ersten Theildeß Tags nehmlich von Mettenzeitbißauf Mittag verzehrt er in seiner Einsa-me mit emsigem Gebett / und geistli-chen Betrachtungen. Nachmittagwann der Himmel heiter war/ gieng eraus ein wenig spatzieren: und so es ihndann füglich dunckte / stige er hinauf indas Mößli/ und besuchte seinen Mit-einsidel B. Ulrichen / der dann auch(wie gehört) ein frommer / und sehr
andächtiger Matm war/ wie insemenjLeben folget. Mit welchem als er B.Claus mancherley Red von göttlichenUnderweisungen gehalten / pflegt er al-lein in sein Hütlein/ und Wohnung wi-der zukehren. Durch Gelegenheit sol-cher Conversation entdeckten nun diezween Freund GOttes einander lhr Ge-müther/ und Hertzen mit grossem ver-trauen. Und under andern hat auchB. Claus disem seinem Mitbruver Ul-richen vertrauet / und zuerkennen ge-ben / die Erscheinungen der dreyen Män-nern / welche ihme die Zeit seines Ab-sterbcns vorgesagt / und geoffenbahrethaben / als in dem 5. Cap. gemelt.Der B.Ulrich aber hielte solches heimlichbiß nach B. Clausen seeliges Absterben.Alsdann er dises / und anders vilmehrvon ihme bezeuget / und an den Taggebracht hat. Zuvor / und ehe ein ge-wisse Caplaney / oder Priester-Pfrunvin dem Ranfft gestifftet war / giengderB. Claus alle Sonn-undFeyrtäggenSachslen zu der Kirchen ( unangese,hen das Sachslen ein gute Italiäni-sche Meil von dem Ranffr ligt / und desWeeg gar stotzent/ bergächt/ und une-ben ist) allda er mit grossem Eyffer /und auferbaulichem Exempel dem H.Ampt beygewohnet. Nach sollendemGottsdienst gieng er schnell widerumHelm. Auf der Spihlsta« / und Kir-chenweeg saumbt er sich nichts / rc. Sowar auch Wöchentlich aufs wenigest ein-mahl in seiner Capell Meß gehalten /deren er sich allwegen mit grosser An-dacht theilhafftig machte. FerrnerSnachdem er nun einen eygnen Priester/so stätts in dem Ranfft wohnete / über-kommen / wurde fast alle Tag Meß all-da gelesen. Derhalben gieng forthmB. Claus niergend mehr hin / wofernihn nicht die hochwichtige Ursach zu demausgehen getriben. Man sagt auchfür ein Wahrheit/welches auch mit gu-ten Argumenten könnt bewisen werden/B. Claus habe ohnlängst vor seinemTodt / auch der herrlichen Proceßion/welche Jährlich an dem Abend MariäVerkündigung in der Stadt Lucern mitgrosser Solennitet begangen wird / wieauch dem darauf folgenden dreytägigemIubiläo beygewohnet/ und sich deß voll-kommnen Ablaß theilhafftig gemacht / rc.Es ligt aber der Ranfftvon Lucern bey12. Italiänische Meil. Ein Ding sosich hoch zuverwundern ist / daß obschon B. Claus der leiblichen Nahrunggäntzlich entsetzet / demnach die Kräff-ren seines Leibs nit abgenommen. Ergieng / und käme wider / er thät zuFuß nicht geringe Reisen / war allzeitfröhlich / gesund/frisch/lebhafft/ wohl-mögent/ und starck / die Zeichen (in
Summa)