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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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Capuclncr/ und Märtyrer. 46z

sich arrfbittliche Anruffu'igen GöttlichenBeystands/ und Heyls-ersprießlicherEingebung / je mehr / und mehr ergrösrfetten / und ihme keine Ruhe gestatte/ten/ biß er nach erkennten handgreissii/chen Beruffdeß H. Geists bey demrer ?rovmci->l durch mehrmahligen bitt-lieb/ und cysttges Anhalten um den H.Orden den endlichen Anftmhm ausge-würckt. Wie er bann bald nacherFrcyburg in Breyßgau seine Prob zumachen bcfelchet worden. Bevor aberseiner Einkleidung mit dem Seraphimscheu k-tabir hat er seinen Puristen-Rockgegen eurem Welt-Oericalischen Prie-ster-Kleid abgetauschet; weil er ausPäpstlicher Zulassung die H. Weybun-gen übernommen / und an dem Hoch-seyrstchen deß Heil. Seraphischen Vat-ter FrancisciEhren-Tag in berCapuci-ner Kirchen zu Frcyburg im Vreißgaudas H. Meß-Opsser gehalten / aufwei-che ein abermahliger Kleider-Wechselgesolgct; indeme er von dem P. Angelovon Mayland/ als dortigen (^usrclisn,und ^ovisen- Meister an stakt einesfchwartzen mit einem braunen Vuß-K leid ist angethan worden. Währen-dru dssen H. Geschafft erbittere er sichferne innerliche Gemüths Austrucküngdem Schlacht-und Brand-Opffer der ^Gehorsamme. Der Nahmen Marciwu' de ihm nach Ordens Herkommen /und zwar in den Nahmen Fidelis verän-deret / welcher dem k. l^oviren-MeisterAnlaß gäbe dem angestandcnen jungenGeistlichen euren nachtrucklichen Zuspruch zu machen / da er dann hierzu iene^pocslyprische Wortals einen Grund-satz erkstttc : Tllo Riäelis algus mor-tem , ör claboribicoronam viru: : Geyegetreu bist in den Todt / jo will ich dirgeben die Erdn deß Lebens. DiseAnred verrichtete er mit solchem Nach-truck / und Eyftrdeß Geists/ als sag-te er vor jenen glorreichen Triumph /welchen diftr eifrige Ordens - Neylmgdurchsein getreu/und hertzhasstcs Ver-fechten deß H. Evangelst darvon tra-gen sollte.

Wie er sich nun also in der Schooßdeß H. Ordens gesehen / hat er sich ein-folgtich gehalten / geglaubt solcher ho-hen Gnad mit allem Ernst deß Geistsbeyzupflichten / wendete dahero alleKräffren an / den Eyfer in Übung derTugenden aufs neue zu erfrischen / samtihme vorhero hierzu niemahl wäre ernstgewesen. Hiermit brachte er so wohlseinen I^oviren-Meister / als seine Mit-d^oviren ineinegantze Erstaunung/ alswelche kaum begreiffen köntcn / daß einso ausgemachter Mann von etlich / unddreyßig Jahren / von so schöne» Eigen-

und Wissenschafften / von solcher Erfah-renheit in Handlung Hoch - wichtigerStaats-und Rechrs-Geschäffren/sich ureiner so liessen Niderträchtigkeit deßGemüths / Geringschätzungseiner selbstaugenblicklich herablassen mögen; Mas-sen den Unterschid zwischen ihm/und an-dern b^ovirren zu errathen / brauchte esmehrers nicht/ als nur Achtung geben/welcher unter ihnen/der in seinenSin/r/und Gebärden der demüthigste wäre.Ersuchte vor sich nur die mühsamst/ undverächtlichiste Verrichtung; Und wanndie andere Ehrenhalber/ und in Anse-hung seiner vorher habenden Vorzügen/oder seines Priesterthums / ihne derenüberheben wollen / hat er sich jedesmahlihnen herliglich widersetz / und gespro-chen : Ncm/ meine liebe Bruder / ge-stattet mir michindiftm Weingartendeß HErren um so ernstlicher zu ver-arbeiten / wie spater ich die Arb-ieungerretten. Ihr habet euch alsJüngling/und schon in der Frühe eue-rer Jugend dahin aufhingen lassen.Ich aber habe die erste Blühe meinesLebens dem thorrechlk-zumahl gefähr-lichen Wett - Dienst anfgeopsserct.Ist dahero der Billichkett gemäß /daß ich die so unfruchtbahr verkünd»lere Feit / Jahr / und Tag mit ver-doppletcr Embsigkelt widerum erlö-se/ und abführe. Dises wäre / mitwelchem der demüthe Novir in seinemHertzen/und Gedancken umgrenze; ob-gleich er angeregter Massen/ schon in sei-nem Welt-Stand ein solches Leben ge-führer/ weiches aller Urtheil nach eine»vollkommenen Religiösen ausmache»könnte. Einet solchen gottseeligen Auf-führung wäre die eigentliche Urquell /dre ununterbrüchliche Gemüths-Ver-sammlung in GOtt: Massen er Tag /und Nacht in einer Verzuckungs / ähn-lichen Betrachtung Himmlisch Göttli-cher Dmgen vertieffet anzutreffen gewe-sen. Das H. Gebett hat ihne so er-leuchtet / daß er alle seine Mängel / undGebrechen klärlich erkannte / die er dannauch mit öfteren / und heißen Zäherenbeweinte / obwohien sie seiner noch in derWelt erhallender Unschuld schier umnichts nachtheilig waren. So oft ersich nur der Gnad seiner H. Berußungerinnerte / hat sich in seinem Hertzen je-derzeit ein solche Frolockung deß Geistserhoben / daß sie sich so gar durch Hai-tere des Angesichts geäusseret / welche inihme etlicher mästen den VorgeschmackHimmlischer Wollüsten zu verrathen be-gunte. Über den Puncten deß Göttli,chen Beruffs redete er öffters mit seinenNeben-Novizen / und machte ihnendie beweglichste Vorstellungen einer sovortrefflichen Himmlischen WohlthatMmmr sor-s