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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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4^rr Von dem Gottsecligen Fidele/

laubte Brevier Wart Lxoäi geschriben:

klemenrote 6icl kujus , m guALArcllleltis 6e Ermnecet euA di-

scs Tags / an welchem ihr aus Aegpp-ren gekommen sepd. Hierbey hat ersich sechsten beständig deß jenigen erin-neren wollen / was der grosse GefahrGeber Moyses seinen Volck vorge-rückt / damit es der hohen Gutthatennrmmer vergessen / und dem GöttlichenGutthater nimmer undanckbahr seynsolle. Diser so nachtruckliche Antribyat ihne zu der allerstrengsten Lebens-Art verleitet: Dann über die angesetz-te Kirchen-und Ordens-Fasttag / anwelchen er sich sehr gesparsam ernahre-te / hatte er im Brauch alle Samb-stag / und alle Vorabend der Selig-sten Jungfrauen Maria / der Ordens,und anderer Heiligen / zu denen er ei-ne absonderliche Andacht pflegte / sichmit wenig Wasser / und Brod abzu-speisen. In Haltung aller siben Fa-sten unsers Seraphischen Vatters Fran-cssci wollte er disem seinen Gesatz Ge-ber nichts nachgeben. Neben diserStrengheit peynigte er seinen blossenLeib mir einem scharpffen Cilicio / undmit Mag blutiger Geißlung. DasHochheilige Meß-Opfer verrichtete ermrr solcher Ehernbietung / Aufmerck-samkeit / und Entzündung deß Geists /daß auch die Anwesende zur Andachtvermocht wurden. Niemahlen giengeer über Altar ohne vorhergehendStund langes eyffrige Gebett / und vor-genommene genauiste SacramentalischeGewissens Reinigung von allen auchkleinen Gebrechen / und mindesten UnrVollkommenheiten. In dem Chor / sowohl bey Tag / als bey Nacht wollteer jedesmahl der erste sein. Und ob-wohlen einige aus löblicher Eyffersuchtgetrachtet / ihme den Rang abzuren-nen / so hat es ihnen doch niemahl ge-lungen. Er psallirte mit einer solchenVersammlung deß Inneren / und mitsolcher Züchtigkeit /'Pausen/und An-spanungdeß äusseren Menschen / als ober mitten unter den SeraphinischenChören stunde. So pflegte er auch ne-ben der nach vollendten Nach-Mettengewöhnlichen stündigen Meditation /noch eine Stund darüber beträcht-lich zu betten: jedoch all dises mitVorwissen / Gutheißen / und Seegenseiner vorgesetzten Obrigkeit/ um keinesträfliche Besonderheit zu begehen.Dise so obenhin bescheidene Lebens-Weiß hat er under währenden Studioder H. Schrifft / ja die gantze übrigeLebens-Zeit beobachtet.

Damit ich aber die Schrancken einerabgekürtzten Erzehlung nicht überschrei-

te / wird genug sein noch daß jenige an-zufügen/ so von den jenigen/ die meh-rers bey / und um ihne gewesen dem?rocels ^abgelegt. D i e eigentlicheWort underschidlichen Zeugschafftenseynd folgende: Es leuchtete in chmeeine allertiestestc Demuth; eine all-bereitwilligste Gehorsame; eine rei*niste Iungfraufchafft ; eine stinenselbst beständig/ und strenge Abtöd-tung ; eine gegen GOtt / und deinNächsten gantz angestammte aufrich-tige Liebe. Gleiche Hochschätzunghatte er auch bey seinem P. Lector /Johann Baptist aus Pohlen/ der einMann von nicht geringer Heiligkeit deßLebens/ und Seltzamkeit der gethanenWunderzeichen / als hoher erleuchteterWlAnschafft ware/ wie dessen die neuezu Venedig gedruckte Franciscaner-Chronic in sonderbahren Ehren weit-läuffig gedencken. Diser GeistreicheMann/ ein eben daher um so gewichti-gerer Zeug / gibt von seinem best-gera-thenen Schüler dise Zeugnuß. Eshat P. Fidelis under währenden gantzTheologischen Studierens - Lauff aufdas Nagele hinaus erfüllet / was derSeraphische Vatter Franciscus von sei-nen Hinderen erforderte / nehmlichen :Das sie sich zu Eelehrnung menschli-cher Wlssenschassten nicht dergestaltren anwendeten / damit hierdurch derGeist deß Heil. Gebetes / und der An-dacht aus gelöscht wurde. Nachdemer also von dem 8ru6io der Theologieeinen solchen Zusatz so wohl.der Wissen-schafften / als deß Geistes erhauset/ ister' von seinen Obern bald darauf taug-lich erkennt / und vorgeschlagen worden /dem Volck das Wort GOttes zu pre-digen. In disem ihm auferlegten Ambthat er gleich zu erkennen geben/ wer erftye: Nehmlich ein vom Himmel ausge,sehener zum Heyl viler Seelen grosseDing zu würcken. Es hat ihne mei-stentheils getroffen an denen vornehm-sten Provintz - Orthen / so wohl inSchwaben / als in der Schweiß dieCantzel zu versehen. Die abgethaneMißbrauch under seinen Zuhoreren /die nahmhaffte Bekehrung angewöhn-ter/ und verschreyter Sünderen/undderen erfolgte ernstliche Bußwürckungwaren hellredende Zeugnussen/ daß sei-ne Predigen ihm aller Orthen müssenwohl abgelösten seyn. Es waren ebendise jedermanniglich angewachsen/ undangenehm / so gar die geschworne Kir-chen-und Glaubens - Feind sechstenseynd zugelosten selbe anzuhören. Diesich bann verwunderet über die Ernst-haftigkeit seiner Redens-Art / über diebündige Beweißthümer seiner Vor-trügen/ und über den entzündtcn Ey,

fer/