Buch 
Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
Seite
475
JPEG-Download
 

Capuciner/ und Märtyrer. 47s

erheischenden Fall denen Bedürftigenhülfflich zuzueyien / zurück binden mö-gen. Er predigte aller Orthen / undzuweilen öfters an einem Lag; er wi-derlegte die Irrthümer des Calvini /und Zwmglij; er besteiffke die Wahr-heit der Carholischcn Geheimnussen /underwiese die unumgängliche Noth»wendigkeit/ solche alle kräfftiglich zuglauben / wann man änderst die ewi-ge Seeligkcit erlangen wolle; er un-derricktete sie / die H. H. Sacramen-ten nützlich zu gebrauchen: Er erklär-te ihnen die ordentliche Kirchen - Ge-präng/ und erzeigte sich gegen allengleichmütig/ und eine rechten Hertzens-Freund/ ja wohl gar ein gantz verlieb-te Mutter gegen ihre Kinder. Waller eine Mißion an wilde / gebürgige /und solche Qrth zu verrichten hatte /weiche mit nichts versehen/ und vonlauter ungeschlachten / wider die Ca-tholischen / sonderbahr wider die Geist-liche unversöhnlichen verhaßten Leuchtbewohnet waren / ist nach vil ausge-standener Mühe/ und Arbeit offter-mahleiz ein kleines Stück schwach rau-hen Brods / so er noch hat erbeutenmüssen / sein völlige Erquickong; denenermüdeten Gliderenaber ein wenig Heuim Stall/ oder auch nur in eine» mitAesten bedeckter Hütten das Ruhebech-lein gewesen / und müste er den Einlaßin irgend einen Stall noch für eine Gnadhalten. So unauösetzlich / und großfeine Bemühungen/ und Bearbeitun-gen immer waren/ ist er doch niemah-len zu bereden gewest/ die geringsteBesonderheit jemahlen anzunehmen /als so vil unser armer / und rauherGrand der Gemeinde gewöhnlich zu-lasset : Seine grosse Heil. Gewohn-heiten / und gewohnte Andachten mü-ssen ihme ohne den mindesten Nachlaßewiß entrichtet werden/ daher» schri-e er sich eine bestimmte Zeit vor deneninnerlichen Betrachtungen/ so wohlbey Tag/ als bey Nacht abzuwarten/in welchen man ihne vilmahl in einergantz süssen Verzückung vertieft/ undvon seinen Sinnen aller entäußeret an-getroffen. Über die obligende blo-rL 5 Lanonicas) Und andere andächti-ge zu zerschidenen Heiligen/ und bevorzu dem H. Ertz - Engel Michael zihlen-de Gebetter / liesse er niemahlen ausden Heil. Rosenkrantz/ Vene er zu Eh-ren der Seeligisten Jungfrauen Ma-riä alltäglich Mit möglichster aufmer-' ckender Andacht abgekettet. Erpsteg-te sich alle Nacht ohnfehlbar empfind-lich zu geißlen. In denen so wohlfreywillig/ alsgebortenen Fastcn'woll-te er von seiner angenommenen Streng-heil nicht eines Nagel-breils ablassen/

k. Uurer, Die H. Schweig.

wann er gleich von vornehmen Catho-lischen Gutthäter/ bey denen er etwassbeherberget wäre/ hierzu angemüsset/ja freundlich ersucht wurde. Wanner seinen Gesellen bey sich hatte/ mü-ste alle Tag ein Zäher - flüßige Beichtdem Meßlesen vorangehen. Obwoh-len er die Reinigkeit seiner Seelso gantz/so aufrecht erhalten / daß fein Beicht-Vatter nach seinem Tod eydlich bethcu-ret: Daß wann er ihne Beicht ge-hört / er kaum eine genügsame Ma»rcry zusammen bringen können ihmedie Absolution darüber zu ertheilen.Unbeschreiblich ist es/ mit was vorDemuth/ Gravität/ und Auferbau-lichkeit des äusseren Menschen er überAltar gegangen die H. Meß zu lesen.ZuüberflüßigerProb seiner unvergleich-lichen Frommkeit erklccket jenes / daßeinige Calvinisten / welche aus lauterFürwitzigkeit sich in seiner H. Meß ein-gefunden / gantz reumüthig / mit Ver-wunderung/ und Ehrenbictigkeit gegkdisem Göttlichen Geheimnuß/ so sievormahls verspottet / angefüllt darausgegangen. Indeme der Seelen - eyf-rige Mißwnarius nicht nur'mit Wor-ten / sondern auch mit Wercken gepre-digt/ wohl erkanntlich / daß die Werck-Predigen von weit grösseren Eintruck/und Würckungen seyen / als die Wort-Predigen/ dahero wäre sein geschaffterSeelen-Frucht unaussprechlich / mira-ber schon genug zu dessen Beweißthumetwelche nahmhafte Bekehrungen eini-ger vornehmen Persohnen des Landseinzuführen. Vornehmlich wäre dieBekehrung des Herrn Antoni vonGu-gelberg/ weylands eines grossen Cal-vinisten/ sonsten aber eines Mannsgroßen Ansehens in Pündten. Nach-deme er durch die Predigen P. Fidelisseiner Blindheit entbunden/ hat er sichentschlossen/ dem Irrglauben ab/ undder Catholischen-Kirchen öffentlichenaufzuschwvren. Der Gottseelige Mastwäre eben damahls in dem DorfGrüschanzutreffen/ wohin sich dann Herr An-tonios erhoben/ in dem gäntzlichenVorhaben seinen heiligen Entschluß zubewercken/ und in tue Hand seinesGeistlichen Vatters die Bekandtnußder wahr-alleinseeligmachenden Reli-gion abzulegen. Wie aber die Cal-vinisten solches »erkundschaftet / habensie ihme aufdem Weeg Meuchelmörde-risch aufgepaßt / ihne unvermutheterDingen überfallen/ und grausamerWeiß entleibet. Aber ehe semer Ent-gristerung hat er mit seiner Zung öffent-lich bekennet/ er jeye durchaus gutCatholisch. Nach seinem Tod hatman einen Briefs bey ihm gefunden /folgenden Lauts : Hüte dich wohl vor

H 0 0 den