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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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49o Von den Gottseeligen Fidele /

fters beyRorschach einStücklein vonderGürtel deß seeltgen Märtyrers Fidelisbekommen/ und dises ihrem Man« an/gehenckt / derweil den seeligen Fidelemmit innbrünstigem Gebett / und Seuff-tzer um die Gesundheit ihres MannSanrüstende / ist er in einen liessen Schlaff/und in solchem in einen starcken Schweißgerathen. Nach zwey Stunden er-wachte / und stunde er frisch / und ge-sund aus dem Beth auf; also daß ervon freyen Stucken bey guten Kräfften/und Vernunfft morgens frühe in dieKirchen gegangen / nach abgelegter keu-wüthiger Beicht / und würdig andäch-tiger Empfahung des HochwürdiglstenAltars - SacramentS der GöttlichenMajestät/ und feinem vil vermögen-den Vorbitter Danck zu sagen.

In eben besagtem Rorschach/undKloster der Reformirten St. Fcancif-cr Schwesteren / Capucineren genannt/läge eine Schwester/ Anna Nestlerin/durch ein hitziges Fieber / und dessenhefftige xsroxitmos auch ihres Ver-stands beraubt: nicht nur die leyden-de / sondern auch die rhunlichiste voneinem berühmten Doctor vorgeschrie-bene Mittel wurden von dem Gewaltdes Fiebers gäntzlich enrkräfftet. Nach-deme solches m die 20. Täg gedauret/wendet sie ihr Vertrauen von denenleiblichen Artzten ab / und auf einenHimmlischen: Aufden seeligen Fidelem/dene sie mit lebendigen Glauben bltt-lichersucht/ und das Heylthum beso-lden erwehnten Strick - Gürtels an dieStirn gehalten hat: Wordurch sie un-verzüglichzu solcherGejundheit gelangt/als ob ihro nichts gefehlet hätte.

Udalricus Saler würde durch ei-ne sieben Wochen lang immer zuneh-mende Kranckheit schon so vil als einTodtes eigner. Mit einem böß-ar-tigen hitzigen Fieber vergesellschaffteresich auch die Wind-Wassersucht / undschwartze Gallen. Daher» nichts an-ders zu thun wäre / als nach Christli-cher Versetzung mit den H. H. Sa-kramenten des leisten Athem-Zugs zuerwarthen. Seine vor Leyd wegenbevorstehenden Verlorst ihres liebenManns aller hingeworffene Ehefrausonderte sich auf eine Seithen/ knyetauf den Boden / Visen mit häusfiaenZäheren begiessende. Richtet sichgleichwohl durch das Vertrauen gegenden hohen Verdiensten unsers seeligenMärtyrers in etwas auf/ flehner vi-fen um seine Hülst an/ und verlobet /im Fall der durch thne auswürckendenBesserung ihres Manns/ zu Feldkirchseine Reliquien mit einer Beicht / Com-

munion/und anderen Andachts Übun-gen zu verehren. Greiftet die wun-derthätige Hand-GOttes nach abge-legtem Gelübd gehet sie zu sehen/ wiees um ihren Mann stunde. Und in-dem sie ihn allbereit entgeisteret ge-glaubt / sitzet sie ihn noch Athmen sei-ne schon zugeschlossene abgestandeneAugen gantz lebendig eröffnen/ deut-lich reden : Massen er begehrte aufzu-stehen/ wie er dann auch würcklrchenaufgestanden/ und sich vollkommen ge-sund befunden.

So hat sich auch mit Anna Keussicherm von Bregentz ein Stuck vousonderbahrer Seltzamkeit zugetragen:Es wurde vife von einem / von Lagzu Lag höher steigenden Fieber / so sichendlich in eine noch gefährlichere Wind-sucht verlohren/ angegriffen/ und al-ler von 5. OoNoribus vorgekehrtenMedicinen ohngeachtet / auf das äus-serste des Lebens getriben. Indemman nun das baldige Hinscheiden ver-muthete/ begehret sie aus dem TrmckGeschirr/ dessen sich der seelige Fidelisbey Lebs - Zecken bedienet / zu rrmcken.Man bringt/ und füllet es mit Wein.So bald sie selbes ausgesürblet/ ist ihrein gantz lieblicher Schlaffzugestanden/dessen entbunden/ stehet sie nicht alleinfrisch/ und gesund auf/ sondern hatteauch einen solchen Appetit/ daß sie sichmit den anderen bey dem Abend-Es-sen zu Lisch gesetzt/ und zu aller Ver-wunderung niedlich darauf geessen hat.

Zur Zeit einer ansteckenden Sucht/welche man die Ungarische Kranckheitnennet/ und die Stadt Feldkirch zärt-licher Massen ängstigte; weil sie mit de-nen angesteckten einen kurtzen Proceß;sondern sie alsobald unsinnig / rasend /Und ihnen den garaus machete / isthochgedachter Frauen lieber Sohn /Vespasianus benahmset von eben vi-fer Sucht überfallen worden. Diesorgfältige Mutter/ um den Verlurstihres Sohns nicht zu erleben/ von ei-gener Erfahrnuß zu einer verträulichenAndacht gegen dem seeligen Fideliauf-gemunteret/ hencket demKrancken einkleines Flecklein von dem Habit desseeligen Martyres an den Hals/ de-ne zu gleichem Vertrauen anweisende;auf welches der Krancke sich des Giffts/und der Todtes - Gefahr befreyet/ er-höhtet/ und feinem Vorbitter die gäh-linge Auferstehung billich / und Danck-barlick zugeschriben.

Sophia Papussin von Feldkirchklagte grausame Schmertzen / so voneinem vergifften in den rechten Armbsich gefetzten Fluß ihren Ursprung hat-ten.