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Die Sehenswürdigkeiten Marburgs und seiner Umgebungen in geschichtlicher, kunst- und kulturhistorischer Beziehung / von Wilhelm Kolbe
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Die Marburg.

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Über einem hohen Untergeschosse, mit zwei spitzbogigen Kreuz-gewölben, ohne Rippen, und mächtigen Gurt- und Schildbogen, sowiezwei Spitzbogenfenstern, mit einem kräftigen, nach außen konisch abge-schrägten Krcuzstabe in der Mitte, erhebt sich die Kapelle, indem drei-eckige Strebepfeiler deren Außenwände umgeben. Ihre ganze Anlageentspricht der in deutschen Burgen sehr beliebten Gestalt der Doppel-kapellen, bei denen das stets reicher verzierte Obergeschoß mit den imzweiten Stock der Burg gelegenen Wohnräumen in Verbindung zustehen pflegte, während das Erdgeschoß zum Totendienst gebraucht wurde.

Wie nach Osten, äußerlich, so schließt dieselbe auch im Inneren, nachWesten, mit fünf Seiten aus dem Achteck, während sie in der Mitteein Rechteck bildet, an dessen Nord- und Südseite sich eine tiefe, alsErker vorspringende Fensterblende befindet, darin eine steinerne Sitzbank,mit einem kleinen Fensterchen zum Hinausschauen, angebracht ist. Über-aus edel sind die Rippen der Kreuzgewölbe und deren Schlußsteine mitihrem prächtigen Blätterschmuck gebildet. Dieselbe künstlerische Voll-endung zeigen auch die Kapitäler der Säulen, mit einer doppeltenReihe von Blättern, bestehend aus Blättern der Winde, der Eiche, desAhorns und des Epheus.

Das ganze Innere ist 1883 aufs neue, leider ohne alle Rücksichtauf die ursprüngliche Bemalung, die früher in den Gewölbekappen präch-tige Pflanzen-Arabesken, in noch reicherer Weise als der Chor derSt. Elisabethkirche, zeigte, äußerst prächtig ausgemalt worden. Demneuen Anstrich fehlt aber alle Wärme. Er berührt uns kalt wie einePhotographie. Dagegen machen die 1876 und 1877 aus farbigemKathedralglas hergestellten Glasfenster, die teilweise, namentlich an derNordseite, äußerst stilvolle Teppichmuster erhalten, einen sehr wirkungs-vollen Eindruck, indem sie durch die Glut ihre harmonischen Farben eineweihevolle Beleuchtung erzeugen.

Die alten, seit 1883 teilweise durch Vorsetzthüren verdeckten Wand-malereien gehören verschiedenen Perioden an. Der kolossale Christv-phvrus, der mit dem Christuskinde auf der Schulter durch das Wasserschreitet, darin sich Fische rc. bewegen, in der Blende der Westseite,stammt aus der Zeit der Erbauung der Kapelle. Dagegen gehören .dieHeiligenbilder in der Fensterblende der Nordseite, St. Sebastian, St. Jo-hannes der Evangelist, sowie die Darstellung der h. Anna und Maria,die, auf einer Bank sitzend, das Jesuskind zwischen sich im Laufen unter-stützen, eine Nachbildung des Gemäldes von Hans Holbein dem Jünge-