Die Kugelkirche und die Propste!.
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feite von drei Stockwerken und begrenzte mit ersterer den dazwischenliegenden ehemaligen Totenhof. Unterhalb des auf der Spitze des west-lichen Giebels befindlichen steinernen, gotischen Kreuzes ist ein Relief mitdem, von einem vergoldeten Strahlenkränze umgebenen, MonogrammeChristi: ills, welches die drei ersten Buchstaben des Namens Jesus dar-stellt und bekanntlich mhstisch, bald als ckosus llouiiauva sslvator, baldals in lloo siZrio (so vinoo), gedeutet wird. Hier sollte es als Ausdruckdes Glaubens und der Hoffnung der ehemaligen Bewohner dieses Hausesdienen, deren Streben vor allem auf Überwindung der Welt und Er-langung des wahren Friedens gerichtet war.
An der Südwand dieses Hauses befindet sich ein zweites Relief:Christus am Kreuz, daneben Maria und Johannes. Sämtliche Figurensind jedoch bei dem mauritianischen Bilderstürme von 1605 zerstörtworden. Die darunter eingehauene Inschrift lautet: „Diß heißet dasfraterhuß zm lcwnbach", rechts daneben steht die Jahreszahl: 1491.Die Bezeichnung des Hauses „zum Löwenbach" rührt von der mittel-alterlichen Sitte, einzelne hervorragende Gebäude mit besonderen Namenzu benennen, wie hier in Marburg z. B. auch Häuser zum Paradieß,zum Aren, zum Schwarzen Fels re. hießen. Zum Lüwenbach wurdeaber dieses Haus genannt, weil dessen Stifter im oberen Felde seinesWappens einen Löwen und im unteren einen Bach führte?)
An der Stelle eines früheren hölzernen Verbindungsgebäudeszwischen dem Fraterhause und der Kirche ward der gegenwärtige stei-nerne Treppenturm mit dem Waschhause im Jahre 1879 erbaut.
Die Kugelkirche nebst dem Propsteigebäude ist eine Stiftung eineshiesigen kinderlosen Ehepaares, des Heinrich Jmhof (in oder cko ouriu),genannt Rode, Welcher nmZistor artiuin liborgliura und baLoalaureusckoorotoruw, sowie langjähriges Mitglied des hiesigen Schöffenkollegswar, und seiner Ehefrau Elisabeth, geb. von Treisbach. Beide Eheleutebesaßen zwischen dem Kalbsthore und der Barfüßerpforte mehrere Häuserund Höfe und wünschten ihr irdisches Vermögen zu einer geistlichenStiftung zu verwenden, nämlich zur Gründung einer Kollegiatkirche undeines Hauses, darin eine Anzahl Kleriker und Laien, nach Art der Kircheund des Bruderhauses zum springenden Quell in Widenbach und Wesel,in der Münsterschen und Kölner Diözese, ein gemeinsames Leben führenund das Offizium nach Gewohnheit der Mainzer Kirchen üben sollten.
0 Vgl. Zeitschrift des Vereins für Hess. Geschichte rc. 8. Bd. N. F. S. 13.