Das UuiversitätsMbäudc.
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dargestellt, die Nebenfiguren aber, die beiden Schacher, Kriegsknechtc w.auf die Wände der Nische gemalt. Darüber stand in einer schmalenspitzbogigen Nische eine Statue des h. Dominicus, über welcher in er-habener Steinschrift die Inschrift „sanotus äowinious" angebracht ist.Leider sind die Statuen bei der Mauritianischen Bilderstürmern imJahre 1605 sämtlich zerschlagen worden. In dem oberen, ungleich nied-rigeren Stockwerke dieses Flügels waren die Zellen der Mönche, in dieman vermittelst einer Wendeltreppe gelangte, welche sich in einem rundensteinernen Turm in der Ecke, wo der östliche Flügel an den südlichenstieß, befand und zugleich als Anfgang in den oberen Stock des letzterendiente. Dieser südliche Flügel enthielt parterre über einem an dreiSeiten in der Erde stehenden Souterrain die große Kapitelstube, dasBeratungszimmcr der Mönche, in dessen Mitte ein großer runder Stein-pfeiler die hölzerne Decke trug. Die Spitze der hohen westlichen Giebel-seite dieses Gebäudes zierte ein gotisches steinernes Kreuz. Den Abschlußnach Westen, zwischen der Kirche und dem südlichen Flügel, machte einGebäude, welches parterre nur den erweiterten Kreuzgang bildete unddarüber ein größeres Zimmer mit der alten Bibliothek enthielt, darinspäter, im Jahre 1566,. der akademische Senat seine Sitzungen hielt, in-folgedessen dasselbe den Namen Konsistorium erhielt. Im Westen dieserKlostergebüude stand noch ein isoliertes steinernes Haus, welches andie vom Hirschberg herabführende Straße mit der westlichen Giebelseitestieß, die Wohnung des Klosterpriors, da die Vorsteher der Klöster,wegen der vielen geschäftlichen Beziehungen zu der Außenwelt, abge-sondert von den übrigen Klosterbewohnern zu wohnen pflegten, damitderen Klausur nicht gestört werde. Eine sehr hohe Blauer mit einemgroßen Spitzbogenthor lief von der Kirche längs der Straße bis zumHause des Priors. Außer dem Prior gehörte noch ein Subprior undLesemeister zu den Vorstehern dieser Mönche, deren Tracht in einemweißen Habit, sowie beim Ausgehen in einem darüber getragenen schwar-zen Mantel bestand. Zwei ausgehauene Figuren an dem oberen Thür-sturze der Thüre an der westlichen Giebelseite der Kirche zeigen unsnoch die Gestalt dieser Mönche.
Da dies Kloster die Berechtigung hatte, auch während der Zeit desInterdiktes, wenn solches über Marburg verhängt war, Gottesdienst beigeschlossenen Thüren halten zu dürfen, scheint dasselbe hiervon öftersohne Erfüllung dieser Bedingung Gebrauch gemacht zu haben, denn Erz-bischof Adolf von Mainz erließ hierüber 1381 eine scharfe Verwarnung