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Die Sehenswürdigkeiten Marburgs und seiner Umgebungen in geschichtlicher, kunst- und kulturhistorischer Beziehung / von Wilhelm Kolbe
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Das chirurgisch-klinische Institut.

selben bildete die Sammlung des anatomischen Theaters des OolloZiumOarolinuin zu Kassel, die samt dem ganzen Gebäude 1786 der hiesigenUniversität überwiesen und hier neu aufgestellt wurde. Das hierhertransferierte Holzgebäude stand auf dem Platze vor der dermaligeuAnatomie mit der Front nach Osten.

Die ersten Anfänge eines anatomischen Institutes der hiesigen Uni-versität befanden sich an dem entgegengesetzten Ende der Stadt, indem sogenannten Ballhause, welches Landgraf Moritz in dem Garten,oberhalb des Kalbsthores, unmittelbar auf die hohe Mauer hatte er-richten lassen, um bei ungünstigem Wetter zu dem damals in den Hof-und Adelskreisen sehr beliebten Ballspiele als Spielplatz zu dienen. Einehoch oben sichtbare, zugemauerte Thüre zeigt noch den ehemaligen Ein-gang dieses abgebrochenen Gebäudes, zu dem man durch eine über demThore hinführende Treppe gelangte.

Der Gründer des dermaligeu anatomischen Institutes war der 1843verstorbene hiesige Professor I)r. Bünger, dessen Herz und Schädel,seiner Bestimmung gemäß, darin aufbewahrt werden.

Das chirurgisch-klinische Institut.

Neben dem alten St. Elisabethhospitale, welches bis 1858 außerder medizinischen auch die chirurgische Klinik als eine besondere Abtei-lung herbergte, ward 1856 das jetzige chirurgisch-klinische Institut ausscharrierten roten Sandsteinquadern, im spätgotischen Stile, durch Pro-fessor Lange sehr geschmackvoll erbaut. Der Grundriß desselben bildetein längliches Rechteck, mit einem in der Mitte der Vorderseite etwasvorstehenden Risalit und einem desgleichen Treppenhause an der Rück-seite. Die der Straße zugekehrte dreistöckige Fassade dieses Gebäudesmacht durch ihre schöne Gliederung und die in jedem Stockwerke ver-schieden gestalteten, gekuppelten Fenster einen recht gefälligen Eindruck.Das in der Mitte desselben befindliche Risalit, mit einer kleinen gewölb-ten Vorhalle vor dem Portale, zeigt namentlich eine reiche, lebendigeGliederung und stilvolle Ornamentierung, indem der mittlere, als Erkervorspringende Teil desselben unten durch eine durchbrochene Spitzbogen-galerie, sowie oben, unter dem Giebel, durch eine Zinnenbrüstung begrenzt,das Ganze aber mit niedrigen, abgestuften Zinnen gekrönt ist.