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Die Sehenswürdigkeiten Marburgs und seiner Umgebungen in geschichtlicher, kunst- und kulturhistorischer Beziehung / von Wilhelm Kolbe
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Das Deutsche Haus.

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stattete Landkomtur war der 1568 verstorbene Johann von Rehn, dessenGrabstätte das steinerne Kruzifix bezeichnet.

Auch der bekannte lateinische Poet und hiesige Professor, EobanusHessus, hat hier 1540 seine Ruhestätte gefunden. Durch Präfekturbe-schluß vom 16. Juli 1812 ward das Beerdigen auf diesem Totenhofeverboten.

Das Deutsche Haus.

Mit diesem Namen wird der ganze Häuserkomplex bezeichnet, wel-cher von der ehemaligen Wohnung der Brüder, äo äowo 'Mutonioa,seinen Namen erhalten hat und jahrhundertelang der Sitz der Deutsch-Ordens Kommende Marburg, sowie der Sitz des Landkomturen der BalleiHessen gewesen ist.

Die früher noch zahlreicheren Wohn-, Berwaltungs- und Ökonomie-gebäude dieser Deutschen Brüder bildeten, mit dem dazu gehörigen St.Elisabethhospitale, eine prächtige Gruppe stattlicher, altdeutscher Bauten,mit hohen Staffelgiebeln, Erkern, Türmen und spitzbogigen Thoren undPforten, welche sich in höchst malerischer Weise rings um das St. Eli-sabethmünster gruppierten.

Im Norden umfangen von einem schützenden Arm der Lahn, imSüden begrenzt von dem ehemals offen fließenden Ketzerbache, war so-wohl das ganze Ordensterritorium, als auch eine jede einzelne Abtei-lung dieser Ordensniederlassung, rings von einer hohen starken, obenkeilförmig zugespitzten Ringmauer, mit festen Thoren, umgeben, da denMittelpunkt einer jeden, für 12 24 Ritterbrnder erbauten, Ordens-kommende stets eine verteidigungssähige Burg bildete. Das Haupt-thor befand sich da, wo noch jetzt auf der Südseite der St. Elisabeth-kirche ein Fahrweg von der Hauptstraße abbiegt und in das DeutscheHaus führt.

Trat man hier ein, so erblickte man rechts das St. Elisabeth-hospital nebst der selbständigen Wohnung des Spitalmeisters und denübrigen dazu gehörigen Nebengebäuden, links dagegen, unmittelbar amThore, das Wafsenhaus der Ritterbrüder, sowie dahinter dasSt. Elisabethenmünster.

Ein jeder dieser beiden Häuserkomplexe war wiederum durch starkeMauern von einander geschieden. Nach der Kirche zu lief die Mauer