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Die Sittlichkeitslehre / von Julius Eisler
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Volke, sondern von der ganzen großen solidarisch verbundenenMenschheit.

Hätten vor Hunderten oder Tausenden von Jahren nicht jeneDeutschen, Franzosen, Engländer, Amerikaner, jene Griechen undRömer und Juden alle jene großen und guten Menschen unterden Völkern der Erde gedacht und gedichtet, gearbeitet und ge-schaffen, so würde unser Dasein arm und leer sein."

3. Die Begeisterung.

I. Die Menschheit unterliegt dem Gesetze fortschreitender Ent-wicklung oder Evolution, welche die Anlage und Neigung derIndividuen hierzu voraussetzt; tatsächlich hat der Mensch einenunbezwinglichen Drang nach Vollkommenheit seiner selbst und seinerGattung und eine tiefe Sehnsucht nach dem Schönen und Guten;in jedem von uns ist ein Schimmer des Göttlichen, der uns dieKraft zu Außerordentlichem und in ihrer Betätigung die höchsteBeseligung verleiht. Dieser Sinn keimt und lebt selbst in denscheinbar völlig Verkommenen. Gerne sieht jeder auf das Edle,sagt Sophokles, und selbst jene, deren Sinn sonst auf das Niedrigegerichtet scheint, sind der Begeisterung und in ihr der größtenOpfer fähig.

II. So geschieht es, daß das schlummernde Verlangen nacheiner reinen, von den Ketten des Alltagslebens befreiten, erhabenenFeiertagsstimmnng der Psyche, ein Seelenrausch geweckt werdenkann, in welchem jeder sich glücklich fühlt, mit den anderen in derBetätigung seiner sittlichen Energie zu wetteifern; die Wirkungdes Enthusiasmus ist eine solche, als ob der Mensch über sichhinauswüchse, als ob er sich aller seiner Fesseln, aller nächstenRücksichten urplötzlich entledigt hätte, um selbst unter Hingabealler anderen irdischen Güter für die höchsten Menschenziele zuwirken und hierin seinen Frieden zu finden. Es ist gleichzeitigein Jubel des Herzens, die beengenden Schranken der Alltäglich-keit durchbrochen zu haben und sich ganz frei und zu allem bereitzu wissen.

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