24 ZWEITER VORTRAG: GRAMMATIK UND ÜBERSETZONG.
geknüpft ist. Man kann diese „Verbesserung“ als eineneue Infusion Grammatik bezeichnen. Für die Einteilung inLektionen sind nach Plötz drei Gesichtspunkte gleichmäfsigfestgehalten: Aussprache, Wortschatz und Grammatik. Aberdie „Aussprache“ ist, wie Plötz sie behandelt, gleichfallsGrammatik, und ebenso wie sie mufs sich der „Wortschatz“der „Grammatik“ im engeren Sinn: der Formen- und Satz-lehre, unterordnen. So erscheinen in jeder Lektion als erstesgrammatische Regeln und Paradigmen; es folgen A. fran-zösische, B. deutsche Sätze; die nötigen Vokabeln liefert derAnhang. Die ganze Arbeit läuft auf mechanisches Übersetzenhinaus. Die grammatischen Formen werden, je nach Bedarf,von oben, die Vokabeln (wenn sie nicht im voraus memo-rirt sind) von hinten geholt; Satz und Stück kommen zuStande wie die Lösung eines Geduldspiels; man dreht dasPensum aus einer Sprache in die andere um, wie man einenHandschuh wendet — der „neue“ ist der „alte“, nur verkehrt!
Aber wie ist diese verbesserte Grammatik- und Über-setzungsmethode so bequem und sicher! Der eigentlicheLehrer ist der papierene, das Buch. Der lebendige Lehrerist so gut wie tot. Dafs er die Sprache kennt, ist gar nichtnötig, er braucht dem Schüler nicht einmal um eine Lektionvoraus zu sein. Seine wichtigste Thätigkeit ist das Korri-giren der schriftlich übersetzten Stücke. Doch dafür gibtes den gedruckten „Schlüssel“, der dem Lehrer — und wohlauch einmal dem Schüler — seine Arbeit erleichtert. Plötzund seine Nachahmer, unter denen für das Englische z. B.Plate zu nennen ist, haben es denn auch auf eine Unzahlvon Auflagen gebracht und beherrschen, wenn auch in„zeitgemäfser Neubearbeitung“, noch immer die Schule. •
Es ist nun an der Zeit, den Zusammenhang mit demwiederherzustellen, was vorher über die Entwicklung derpreufsischen Schulen und den fremdsprachlichen Unterrichtin ihnen gesagt worden ist.
Die Regelung des Gymnasialwesens in Preufsen rührt