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Die Methodik des neusprachlichen Unterrichts : ein geschichtlicher Überblick in vier Vorträgen / von Wilhelm Viëtor
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DIE LEKTÜRE.

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schriftlichen Übersetzungen hinter die freieren Arbeiten zeit-weilig ganz zurückzustellen, sofern die Sicherheit des Lehrersund die Entwickelung der Schüler die nötige Gewähr leisten.

4. Die Lektüre. Es erschien natürlich, die Betrachtungdes schriftlichen Gebrauchs gleich an die des mündlichenanzuschliefsen. Im Grunde ist dies eine recht unnatürlicheOrdnung, denn wie überhaupt der mündliche Gebrauch demschriftlichen, so mufs im besonderen wieder das Hören demSprechen und das Lesen dem Schreiben notwendigerweisevorausgehen. Doch knüpfen wir wieder an die Bestimmungender Lehrpläne von 1891 an. Hiernach ist auf allen Stufendie prosaische Lektüre vor der dichterischen, die geschicht-liche und beschreibende vor den. übrigen Gattungen zubevorzugen. Ohne Zweifel deshalb dies ergibt sich auchaus dem Zusatz, der Prosaiker sei thunlichst nicht nebendem Dichter zu lesen, weil die Prosa am besten zurNachahmung geeignet scheint. Meines Erachtens hat dieLektüre, nicht nur, wie die Lehrpläne von 1891 zugeben,in den oberen Klassen, zumal an Realanstalten, sonderndurchgehends, die Bekanntschaft mit dem Leben, den Sitten,Gebräuchen, den wichtigsten Geistesbestrebungen des fremdenVolkes zu vermitteln. Das Leben des fremden Volkes kannfür die Unterstufe zunächst nur das Leben der fremdenJugend sein, und seine Vermittlung ist dem Lesebuch zu-zuweisen. Der hier zu bietende Stoff wird sich in kon-zentrischen Kreisen erweitern: Haus und Schule, Feld undWald, Land und Leute, Nationales, allgemein Menschlichesund Religiöses, alles soweit es dem jugendlichen Verständnisund dem jugendlichen Interesse zugänglich ist und einenallgemein anerkannten litterarischen Ausdruck gefunden hat.Mit anderen Worten: der Inhalt des ersten Lesebuches istaus den Schätzen der Jugendlitteratur, den Kinderreimen,Rätseln und Gedichten, späterhin auch kleinen Erzählungen,auszuwählen. Auf dieser ersten Stufe gebührt, wie mirscheint und ich rufe den Geschmack der Kinder als